Das war’s

Tage, in denen wir vergessen haben was das Wort Hass eigentlich bedeutet und dass es einer, der es meinen könnte nicht sagen würde und einer, der es sagt meistens nicht weiß was das ist. Ein machtvolles Wort, seiner Bedeutung beraubt und hingespuckt, leichtfertig und ignorant und deshalb bei Dingen sinnlos und bei Menschen grenzwertig.

Wir wissen das und sagen es trotzdem. Es sind nicht einfach Die Scheiß-Farben, es ist nicht nur Dein Chef geht mir am Arsch vorbei! (ich über seinen Chef wegen einer Zusatztour, die uns Zeit wegnimmt, er muss fahren, ich weiß es ja), Hau der Fotze aufs Maul und gut ist! (er über Mikesch wegen dem Üblichen) und es geht bis Ich hasse…. „…dich.“ können wir uns gerade noch verkneifen in dieser Anspannung einer Zeit wo der Tag nur drei Stunden hat, weil wir nicht länger haben.

Da ist auch noch der Paketdienst und die Philipp-Mama. Da ist auch noch Mikesch, das Atelier-Kind und die Monteure, die schon wieder kommen müssen, weil schon wieder etwas kaputt ist und die alles einsauen. Da ist das knappe Geld wegen ungeplanter Ausgaben. Da ist meine „Susanne“ für die mir, jetzt wo ich nicht kann, das ein oder andere kommt. Gerade weil ich nicht kann, das ist immer so. Da ist dieser maternde Kopfschmerz.

Einiges er, einiges ich.

Und mittendrin fällt mir ein der Radiosender, damals als ich nach Schwerin ziehen wollte/sollte – sowohl als auch -, den mir A. empfohlen hat. Etwas Lokales aus Halle/Saale, das aber wohl auch da zu empfangen gewesen wäre. (Sie aus Halle/Saale hatte mit dem Empfang natürlich keine Probleme.) Weil ich dem Empfang nie testen konnte – aus Gründen – zeigte sie mir damals die Homepage vom Programm „Radio Schwarzbrot“. Wir lachten weil einer der Moderatoren die damals noch übliche Kommunikationsform der Kontaktanzeige in der sogenannten schwarzen Szene durch den Kakao zog. Die Kontaktanzeigen waren auch ohne dessen Kommentare und nur für sich in den entsprechenden Magazinen gelesen oft großes Kino. [Ich kenne die Wendung „großes Kino“ übrigens nur daher, dank einem anderen A., der „Schwarzbrot“ auch kannte und auch lachte.] In irgendeinem dieser Kommentare zu den Anzeigen benutzte der Moderator die Wortschöpfung „anhassen“ und das ist was mir mittendrin einfällt.

Man hasst Dinge heutzutage nicht, man hasst sie eher an (würde ich vermuten), aber wie geht das? Ziemlich leichtfertig wohl und es muss einen ziemlichen Sog, eine ziemliche Verlockung haben, wenn schon Philipp und ich zum „Ich hasse…“ kommen und uns „…dich.“ Gerade noch verkneifen können, obwohl wir einfach nur gestresst, müde, hungrig, verschmerzt und vom Perfektionismus zerfressen sind.

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4 Gedanken zu “Das war’s

    1. Zwischen uns sind das tatsächlich harte Kaliber. Wir schreien uns an, wir beleidigen uns auch schon mal – damit sich nichts staut -, aber wir hatten bisher keine Situation wo wir so unter (selbstgemachtem, wir hätten ja nicht mitmachen brauchen) Druck standen, dass wir das, was gesagt wurde ernst meinten. Im Normalfall wissen wir von einander, es ist nicht persönlich. Aber jetzt war so viel dazwischen und davor die Woche konnten wir uns nicht einigen ob wir mitmachen und wenn was und da hätten wir längst dran sein sollen und so weiter und so fort, das zeichnete sich dann in der Kommunikation ab. Zumal wir auch, was sonst nicht ist, beide nicht lassen konnten aneinander rumzumäkeln und uns jeweils in den Teil des anderen einzumischen. Das ist n sich schon ärgerlich und dann erstrecht.

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        1. Danke. So eine Emotion ist bei uns projektbezogen. Wir sind gestern fast fertig geworden, das Ding trocknet, das heißt wir sind durch. Und wenn wir durch sind ist bei uns immer Tabula Rasa, weil alles was wirklich dauerhaft stören könnte sofort artikuliert wird. Das waren jetzt wirklich Stressreaktionen und wir wussten das (was sicher sehr hilfreich ist).

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