Nach dem Beben

Mikesch hat irgendwas genommen, das keiner von uns zuordnen kann. Man sieht das an den Augen, die Pupillen weiten sich bei ihr normalerweise nicht. Außerdem hat sie „aufgeräumt“, ist überdreht und der Stiefvater fertig. Der Diddl-Maus-Junge soll sich vor Lachen nicht mehr eingekriegt haben und ist gegangen.

Mikesch möchte Mittagessen haben und hat einen Wunsch.

Weil eh kaum was anderes da ist – das liegt alles in Nachbars Garten – bekommt sie den auch.

Mikesch angewidert: „Bru-ähh.“

Stiefvater: „Wie?“

Mikesch zeigt auf das Essen: „Die Schweinerei ess ich nicht!“

dergl: „Du hast dir Reibekuchen gewünscht, da sind Reibekuchen. Geliefert wie bestellt.“

Mikesch: „Das sind keine Reibekuchen.“

Stiefvater: „Klar sind das Kartoffelpuffer. Ganz frisch, riecht schon lecker.“

Mikesch: „Reibekuchen sind aus der Packung!“

Stiefvater: „Haben wir nicht, die sind aus frischen Kartoffeln.“

Mikesch: „Äh-bä.“ [Anders kann ich das nicht transkribieren.]

Stiefvater fängt an aufzuräumen.

Mikesch: „Die sind nicht aus der Pfanne!“

dergl: „Wenn du deinen Hausrat aus dem Fenster schmeißt… Ich mache die sonst auch im Waffeleisen, ist nicht so fettig.“

Mikesch: „Bei dir gibt es immer nur Ekel-Essen. Wo ist die Pfanne?“

Stiefvater gelangweilt: „Wo du sie hingeworfen hast. Bei Familie D. im Teich.“

Mikesch: „Und was soll ich jetzt essen?“

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2 Gedanken zu “Nach dem Beben

  1. So war Pfingsten also für dich …

    Ich verstehe gar nicht, wie du ihr noch eine Mahlzeit zubereiten kannst, wenn sie die halbe Einrichtung aus dem Fenster schmeißt. Diese Engelsgeduld hätten nicht viele.

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    1. Als ich kam war alles schon passiert. Ich wurde erst geholt als mein Stiefvater nicht mehr weiter wusste. Zu dem Zeitpunkt hatte Madame auch schon zwei Tage Nahrung verweigert, sie hat da manchmal so einen Wahn, dass sie meint wenn sie hungerstreikt kann sie Leute manipulieren. Dass ich dann was gekocht habe und sie Mittagessen wollte traf fast zufällig aufeinander, denn ich hatte in dem Moment eigentlich im Kopf, dass mein Stiefvater was isst, damit der wenigstens zugänglich wird und dazu musste er runterkommen. Das ist der Nachteil weil er durch seine Arbeit Jahre lang keine Normalität von ihr mitbekommen hat, wenn sie unter Stress steht. Sie kommt in ihrer Arbeitsamt-Maßnahme nicht klar und jetzt musst du dir das so ähnlich vorstellen wie bei jemandem mit ADHS: Weil sie mit dieser Überreizung – da muss sie sich ja einpassen und kann es nicht – nicht zurechtkommt und sich auch nicht helfen kann, entlädt sich das so. Ich sehe da total auf die Pathologie, sonst wäre es schwer ruhig zu bleiben. Heute früh hatte ich SMS, ich soll mit ihr neue Sachen kaufen gehen. Ist nicht. Muss sie lernen. Meine Tagesaufgabe ist a) Frikadellen für das Atelier-Kind zu machen b) Diabetikersocken für den Handschuhschenker zu stricken (der arme Mensch hat die ganzen Füße auf, von wegen leichte Probleme mit Zucker) und c) ganz bestimmt nicht Mikesch in irgendeiner Weise positiv zu verstärken. Abgesehen davon, du weißt doch wie das bei uns Schreibenden ist, ich werde diese Szene jetzt aber so was ausschlachten, Es können auch andere toben, nicht nur Madame.

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