Das Onkelchen und sein Neffe

Der Handschuhschenker bekommt Besuch. Vom vielgeliebten kleinen Neffen (der entweder dieses Jahr 31 wird oder wurde). Das Lieblingskind ist wie er selber der Nachzügler und wird oder wurde nicht wirklich gerne gesehen, was aber keiner gesagt hat und was keiner ausspricht, kann es bekanntlich nicht geben. So ist das in solchen Familien.

Das kann zusammenschweißen. Der Handschuhschenker ist derjenige Onkel, der dem oben genannten Neffen noch im Vollsuff die Tür geöffnet hat, wenn der es bei den Eltern nicht aushielt. Das schweißt ganz bestimmt zusammen. Vor vielen Jahren in der Entgiftung bekam der Onkel viele Male Besuch, aber immer nur vom vielgeliebten kleinen Neffen. [Er sagt das wirklich so.]

Der kleine Neffe ist jetzt in einem Alter wo er anfängt sich selber viel liebzuhaben. Es ist häufig so, dass etwa um das Alter, in dem er jetzt ist Kindern aus dysfunktionalen Familien, die bis dahin verdrängen konnten oder mussten – es kann überlebenswichtig sein -, die ein oder andere unschöne Erinnerung hochkommt, man „urplötzlich“ einiges einordnen kann. Selbst wenn die eigenen Eltern keine stoffliche oder verhaltensspezifische Sucht haben. Allein durch das aufrechterhaltene Verhalten aus der Süchtigen-Kinder-Kindheit der Eltern bleibt der Kreislauf intakt.

Dem kleinen Neffen fällt jetzt so einiges auf. Die hörige Feigheit seiner Mutter, der Handschuhschenker-Schwester, und deren „Hass“ auf ihre Kinder, weil die nicht perfekt sind. Mit dem ältesten Kind wird sich verbrüdert, der Rest ist divide et impera. Das kommt oft vor in solchen Familien.

Der kleine Neffe merkt das jetzt und möchte mit „Onkelchen“ reden. Onkelchen freut sich. Bekommt ja nicht oft Besuch, das mit dem Klappe aufkriegen hat nie wirklich hingehauen. Er ist nicht gerade der Kommunikativste. Und es gab mal Berufe, da war das auch angebracht. Wenn Sie im Führerhaus eines Baukrans unbedingt Dialoge führen wollen, brauchen Sie eine Filmkulisse oder Sie sind da falsch. Da drin ist Ruhe, was natürlich, wenn Sie die Klappe sonst nur noch zum rein kippen aufkriegen, auch so seine Vorteile hat. Wenn Sie Ihr „Handwerk“ beherrschen merkt das kein Mensch. Jahrelang nicht. Sie können sogar notfalls aus dem Fenster pinkeln, das kriegt keiner mit. [Ich wusste bis er das erzählte nicht, dass diese Kranfenster überhaupt zu öffnen sind.] So war das damals, Kinders und Kinners. [Er wechselt zwischen den beiden Formen.]

Und jetzt – merken Sie, dass er doch ganz schön schnatterhaft ist, wenn ich hier so viele Bogen machen muss? Der Mensch unterschätzt seine kommunikativen Fähigkeiten aufs Arge – kommt der Neffe. Der vielgeliebte kleine Neffe, der Kind-Ersatz. Und der Kind-Ersatz soll, wenn es nach dem Handschuhschenker geht, in die Gruppen. Mal dabei sitzen und zuhören, vielleicht will er ja auch was erzählen. Es gibt ja nicht nur Gruppen für Erwachsene Kinder speziell, sondern auch für Angehörige allgemein und Freunde. Als mindestens Enkel und Neffe gehört er da hin. Findet der Handschuhschenker.

Man kann ja keinen zwingen, aber könnten nicht der Mit-Künstler, weil das ja auch ein Mann ist, und die dergl, bei der alles noch eine Spur härter war, mal was sagen?

„Ich bekehre keinen, Handschuhschenker“, sage ich. Natürlich sage ich in dem Moment nicht Handschuhschenker zu ihm, Sie wissen ja selbst wie der Mensch heißt. Das wurde Ihnen ja mal erzählt.

Der Mit-Künstler schließt sich an und erzählt davon, wie er eingeschüchtert war am Anfang als Mann in einer reinen Frauengruppe gesessen zu haben. Und dann auch noch mit Thema Beziehungshickhack.

Aber wir könnten doch so mit ihm reden? Wir könnten doch alle spazieren gehen und wollte nicht Salma so gerne zum Flohmarkt?

Der Mit-Künstler hat das auch mitbekommen. Ich weiß von nichts.

Reden kann man mit dem Menschen sicher und vermutlich kommt trotzdem einiges durch. Das ist beim Mit-Künstler und mir fast normal so. Die Zeugen spielen wir nicht.

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Ein Gedanke zu “Das Onkelchen und sein Neffe

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