Eine Fiktion für Mariam, Hamid und die anderen

Wo immer ihr jetzt seid…

Normalerweise hole ich mir die Texte, die für Juttas Geschichtengenerator entstehen nicht zusätzlich in die Fädenrisse. Bisher habe ich das nur einmal getan, weil ich den Text so gern hatte. Das, was Sie nun unten lesen können habe ich gestern – ausgelöst da durch – in sehr kurzer Zeit für den Generator verfasst.

Es ist fiktiv, aber irgendwie ähnlich geht so was vonstatten.

 

 

Im sogenannten Regenbogenhaus sammelten sie die Leute. Hätten sie das so direkt gesagt, dann hätte das keiner toleriert, weil es dann sofort nach Deportation geklungen hätte. Vielleicht durfte man nicht einmal Regenbogenhaus zu diesem in die Luft ragenden Quadrat sagen, das klang ziemlich nach Sonnenblumenhaus und das kannte doch jeder. Sollte. Dachte man. Und man vergaß, dass dazu viele einfach zu jung waren, und dass die Bilder davon etwas von Happening hatten, weil es schon so lange her war und wenn so etwas wieder passierte, fast jeden Tag und immerzu, dann war das weit entfernt im Osten. Hier gab es das nicht.

Aber man hatte das Regenbogenhaus. Viktor hatte gesagt, der Regenbogen stammte von Greenpeace, aber das glaubte keiner. Das Haus war unten mit Wiese bemalt und ab den ersten Fenstern hellblau mit Wölkchen und diesem riesigen Regenbogen. Man sah keine Sonne. Die winzigen Fenster waren unzählbar. Es stand frei auf dem Feld, so sah es aus wenn man daran vorbei fuhr, und vielleicht wusste keiner, der niemals drin gewesen ist an welcher Seite des Quadrats man hineinging. Hätten sie das so direkt gesagt, hätten da vielleicht Leute gestanden, die versucht hätten etwas zu verhindern oder den Menschen da drin sonst irgendwie zu helfen. Mit Essen oder Trinken, Decken oder Medizin, vielleicht sogar Trost. Keiner wusste es.

Und keiner sah jemals die Polizei oder andere Autos. Es wusste keiner was da kam, weil keiner wusste wer die Befugnisse hatte. Nur: Es kam immer in der Nacht. Manchmal wurde nur einer geholt, ein Kind oder ein Familienvater, dann hofften sie, dass die Familie freiwillig mitging, aber immer landeten die Leute im Regenbogenhaus.

Von dort sah man nur die großen Busse. Man wusste eher, dass man sah. Ein Reisebus in der Stadt aus der Richtung und man gab vielleicht sogar zu zu ahnen und wusste in Wirklichkeit ganz genau. Vielleicht log man sich an und behauptete es wären Neue oder die Leute würden umverteilt, wenn man ganz dreist war auch, die gingen freiwillig. Aber man wusste immer ganz genau wo sie hinfuhren und wer drin saß. Und dann dachte man sich nichts mehr, weil man nie was damit zu tun hatte. Hier gab es keinen Krieg, niemals wäre man selbst betroffen. Hier muss man nicht weg und schon gar nicht illegal und in Todesangst, hier gibt es doch alles und man hat keine Feinde und wird auch niemals welche bekommen.

Doch manchmal wenn man durch die Straßen ging, vom Einkaufen, vom Sport, aus der Arztpraxis, von der Arbeitsstelle oder aus der Schule kam begegnete man einem oder einer winzigen Gruppe. Nahe genug, dass man in die Gesichter sehen konnte. Und manchmal stand dort neben Erschöpfung, Verwirrung und Dankbarkeit auch eine Frage Wo sind die anderen?

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