Außenwirkung

Die, die die lebendigste Definition von Arbeitsjournal hat ist die Violinistin. Sie verweist auf den Wortzusammenhang von Journal und Journey und findet, man soll alles rein tun – schreiben, zeichnen, malen, kleben – was einem auf der Reise zum Werk so begegnet. Das erzählt sie so schön, dass es mir fast ein bisschen leid tut, dass ich diesen Wertbon vom Händewäschen, den ich lösen musste um in das WC zu kommen nicht mehr habe. Vielleicht ist es das Alter, dass sie das so ähnlich wie Gerda sieht. Die zwei dürften ähnlich alt sein, einander jedenfalls altermäßig sehr viel näher als jede von ihnen mir.

Was sie auch erzählt ist, sie habe gehört, ich hätte mich vom Hühnerstall distanziert. Wie das gehe, sie hat doch mein Objekt stehen sehen.

Den Platz habe ich fest, aber das wusste sie nicht. Und bis Juni nicht in die „Sitzungen“ zu gehen nimmt mir auch nichts (außer Stress). Nur weil ich zwei Monate ohne äußere „Bindung“ [Stelle ich etwas/Stelle ich nichts] arbeite, heißt es nicht, dass ich nicht arbeite. Ich mache in der Zeit etwas anderes.

Oh, gut, sie hätte sich schon gewundert. Der Mit-Künstler und ich seien doch so was wie artists in residence.

Sind wir nicht.

Aus ihrer Sicht doch.

Dann findet sie, ich müsse mir ein Pseudonym suchen. Das sei ja nun so, dass ich wieder schreibe und sie wüsste zwar wie das mit dem Verlagswesen so sei heutzutage und auch damals schon gewesen ist, ihren Lyrikband habe sie nämlich erst unterbekommen als sie nicht mehr unter ihrem Nachnamen sondern dem ihres Mannes schrieb, so sei das halt. Aber es könne doch nicht angehen – nein, dergl, wirklich nicht, also da hast du schon eine Verantwortung, wenn du das schon kannst mit dem Schreiben -, dass es eine gäbe, die realistisch über gehandicaptes Leben und all die Diskriminierung und was sich daraus psychisch ergibt und außerdem noch unsere Geschichte in diesem Land schreiben kann, und dass die das nicht ausnutzt. Da muss ich nur mal an die Kinder denken, die wie wir geboren werden, wer soll denen denn Rollenmodelle zeigen, wenn nicht ich? Und gerade jetzt wo es wieder en vogue wird Menschen wie uns so zu betrachten wie es ihr Vater getan hat. Es liegt doch an Leuten wie uns, den Kindern zu zeigen Wir sind hier, wir sind richtig und jeder von denen, die nicht so sind kann jederzeit so werden, also daran, da müsste ich schon denken.

Tue ich das nicht mit dem was ich mache? Muss ich mir erst ein Schild umhängen?

„Doch, doch“, sagt sie und dass ich darin gut bin. Aber deshalb müsste ich ihrer Ansicht nach… und glaube ich, das lesen die richtigen Leute?!

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