Wochenende, Fernsehleute, Malbuch

Mikesch macht einen Wirbel auf der Station, sie würde einen aus dem Fernsehen kennen. Den, der da bei der Heidi Klum in der Jury. Auf Nachfrage weil ihr das keiner glaubt, sagt sie, sie hätte den Mal in Düsseldorf gesehen, da wäre er auf der gleichen Straße wie sie gelaufen. Die dergl war auch da, aber die hat ihn nicht erkannt, weil sie nicht Heidi Klum guckt und deshalb nie jemanden erkennt, die Doofe.

Weil Mikesch ihren Wirbel über mehrere Tage hinzieht wird die Doofe einbestellt und soll den Wahrheitsgehalt von Mikeschs Behauptungen angeben.

Ich war irgendwann im letzten Sommer mit ihr zusammen in Düsseldorf und als wir über die Königsallee gingen zog sie mich am Arm, da sei [ich habe den Namen nicht verstanden], ob ich den auch kennen würde. Menschen, deren Namen ich nicht verstehe kann ich nicht als mir bekannt oder unbekannt identifizieren. Ja, sie kenne den auch nur von der Heidi Klum. Ab da wusste ich, dass es sich um jemand handelt, wenn es denn die benannte Person war, den ich auch nicht kennen muss. Selbst wenn ich einen Fernseher hätte, ich müsste diesen Menschen nicht kennen.

„Das heißt aber doch nicht, dass du den kennst, Mikesch. Du kannst sagen, dass du in Düsseldorf mal an dem vorbeigelaufen bist, das stimmt ja, aber kennen ist zuviel.“

„Nee. Wieso?“

„Weil du ihn nicht kennst. Du bist dran vorbeigelaufen, wenn er es überhaupt war. Und jetzt machst du hier total Chaos weil du so was erzählst und bist sauer weil dir nicht geglaubt wird. Dir muss aber auch keiner glauben, du kennst den Mann nämlich nicht.“

„Wohl.“

„Nein. Schau mal, als ich vor ein paar Jahren Inge in Mülheim besucht habe ist in der Fußgängerzone Helge Schneider an uns vorbeigelaufen. Ich weiß, dass das Herr Schneider war, weil der Zeitungsverkäufer ihn namentlich gegrüßt hat. Herr Schneider muss ja auch mal was einkaufen und da war ein Einkaufszentrum. Aber ich kann doch nicht behaupten, dass ich Helge Schneider kenne.“

[Ich würde auch nicht behaupten, dass ich den Typ aus dem Lokalfernsehen – ich weiß nicht ob Mikesch das schaut – kenne, der mir hier und dem ich mit einem anderen Reader folge, obwohl der mit seinen Kommentatoren, also mitunter auch mir, kommuniziert, wir also in gewisser Weise mitunter miteinander „reden“. Ich weiß von ihm, aber ich kenne ihn nicht. Hallo Seppo!]

„Ich kenn den aber!“

„Dann kennst du ihn, aber du hörst auf alle Leute damit zu nerven. Die wissen das jetzt und wenn man etwas schon weiß und es trotzdem immer noch mal gesagt bekommt, dann ist man irgendwann genervt und dann wird man schon mal sauer.“

„Du, der [Stiefvater] hat mir ein ganz doofes Malbuch gekauft. Eins für Kinder.“

„Hast du ihm gesagt was für eins du haben möchtest?“

„Ja, für Erwachsene. Und dass du gesagt hast wo es das gibt. Ich hab im Internet geguckt. Bei Amazon. Da gibt es ganz viele. Auch mit van Gogh. Mag ich auch.“

„Ist doch toll.“

„Aber er hat gesagt, das gibt es gar nicht.“

„Vielleicht nicht in dem Laden vorrätig. Muss man bestellen.“

„Macht er nicht.“

„Hast du gefragt?“

„Ja.“

„Und er hat gesagt, dass er es nicht bestellt?“

„Er sagt, so viel Geld gibt er für so was nicht aus.“

„Ist das Malbuch mit van Gogh teuer?“ [Die Kunst-Malbücher aus dem Museumsshop für das Atelier-Kind zu besonderen Anlässen liegen bei um die acht Euro, sind also auch nicht gerade günstig.]

„Nur fünfzehn Euro.“

Und die Filzstifte sind übrigens auch der letzte Scheiß…

Advertisements

4 Gedanken zu “Wochenende, Fernsehleute, Malbuch

  1. Ich bin immer dafür Menschen, die gerne etwas glauben wollen, zuzustimmen 🙂
    Du, ich habe hier ein Malbuch und Stifte, die ich nicht benutze, kann ich dir beides schicken? Mag die Mikesch vielleicht nicht, aber den Versuch ist es wert…

    Gefällt 1 Person

    1. [Dritter Versuch, der nimmt meine eigenen eingeloggten Kommentare nicht…]

      Danke für das Angebot, aber nein, das kannst du nicht. Sie nimmt nämlich von mir nichts an. Ich brachte ihr gestern Buntstifte vom Atelier-Kind (Staedtler Ergosoft, die kosten 12€ aufwärts, er hat sie doppelt) – will sie nicht. Sie will genau die Stifte, die sie dem Stiefvater gezeigt hat. Ich brachte ebenfalls das ab Dienstag gültige Prospekt des hiesigen Aldi (bei ihr und dem Krankenhaus in der Stadt ist der andere). Der hat ab Dienstag Malbücher für Erwachsene (steht explizit drauf) im Angebot. Vier Euro, glaube ich, und Meditationsmusik ist auch dabei (nicht, dass sie die hören würde).

      dergl: „Ich muss Dienstag ohnehin einkaufen, soll ich dir zwei oder drei dieser Malbücher mitbringen?“

      Mikesch: „Nee, Billigscheiß will ich nicht.“

      Da hat es dann einfach keinen Sinn. Wenn man ihr was gibt, was sie nicht will (auch wenn sie es nur in dem Moment nicht will, aber vorher eventuell sogar noch drum gebeten hat), dann macht sie die Leute noch fertig, weil es ihr nicht passt. Das muss man nicht noch honorieren. Die meint dann, sie kann sich alles erlauben. Unter anderem, dass sie sich automatisch beim nächsten Mal ohne zu fragen alles wegnehmen kann. Und das ist bei ihr ja kritisch. Sie versteht bis jetzt nicht warum es auch Diebstahl ist wenn sie anderen Leuten ohne zu fragen deren Essen vom Teller nimmt. Wenn die ihr aber was „wegnehmen“, zum Beispiel den Würfel, weil sie beim Spielen dran sind, ist das Geschrei groß.

      Gefällt 1 Person

      1. Schade, so kann man sich selber auch gut das Leben versauen… what a mess! tut mir leid, dass du dich mit all dem befassen musst und soviel Bemühung reinsteckst und doch nicht viel bei rauskommt…
        Ich weiss ist deine Mutter aber lass sie doch einfach mal eine Weile sein und kümmer dich nur um dein eigenes Wohlergehen…
        liebe Grüsse,
        Dagmar

        Gefällt mir

  2. Mach ich doch, jetzt wo sie noch bis Ende April „weg“ ist 😉

    Emotional gesehen ist das nicht meine Mutter, das ist nicht das Problem. Ich habe da einen sehr großen Abstand zu ihr, auch wenn sich das hier nicht unbedingt so liest. Und weil es nicht das Problem ist befinden wir uns in einer rechtlich sehr verstrickten Situation. Kennst du den Feuerwehrfrau-Artikel? Der ist unter anderem auf der Wie/Was-Seite verlinkt. Ich kann hier aus Gründen – auch Mikesch hat Persönlichkeitsrechte und ein Recht auf Anonymität – keine offziellen Diagnosen nennen (dann würde möglicherweise das ein oder andere leichter verständlich), aber ich bin von amtlicher Seite verpflichtet mich in bestimmtem Maße zu kümmern. Da hat oder wird sich jetzt durch die akute Situation mit der Psychiatrie und dem Auslöser erst einiges ändern, dass ich rechtlich nicht mehr ganz so verantwortlich bin. Das Dilemma ist: 1. Ich bin die einzige, die sie händeln kann, da sie mir nicht auf dem Kopf rumtanzt und alle anderen voll im Suchtskript stecken, 2. mein Stiefvater ist Vollzeit andererorts berufstätig. Normalerweise müsste der Ehepartner einiges machen und tun per Gesetz, das ich als Zuständugkeit zwangsaufegedrückt bekam, aber es muss ja eben auch Geld hineinkommen, da gibt es dann Ausnahmeregeln, so dass die Kinder ranmüssen. Mein Bruder kommt durch Vorstrafe für solche Pflichten nicht in Frage (kann auch jetzt nichts ins Krankenhaus bringen oder machen, weil er Hausverbot kassiert hat, da er einen Pfleger angerempelt hat.) Das ist ein ziemlich kompliziertes Geflecht aus mehreren Gesetzen. Ich kann das hier nicht erklären, das würde den Rahmen sprengen und ich wüsste auch nicht wie ohne Fallbeispiele und da beißt es sich wieder mit den Persönlichkeitsrechten, weil ich dafür eben auch die harten Sachen ranziehen müsste und dann wäre Mikesch zumindest für interessierte Leute aus der Gegend identifizierbar. Ich weiß von mehreren ähnlichen Fällen im Bundesland (hier gibt es auch Fälle wo Menschen verpflichtet werden sich um ihre physisch pflegebedürftigen oder dementen Angehörigen zu kümmern, das ist sehr kompliziert geregelt), aber wir sind so weit ich weiß der einzige mit der Suchtform und dem Pflegebedarf (heißt wirklich so, Psychiatriepflege) in der Gegend.

    Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.