Sag mir (Fiktions-Fragment)

Gestern schrieb ich Jutta für ihr Generatorprojekt etwas in die Kommentare. In zehn Minuten herunter geschrieben und ohne großes Nachdenken. Es gefällt mir dennoch. Und es hat gerade weil ich nicht nachdachte eine Menge, dass es trotz der Kürze und des mir relativ fremden Stils und Metiers – ich tue mich mit dem Beschreiben der Emotion ziemlich schwer – und obwohl es so gar nicht die Art ist, in der ich das früher dargestellt hätte zeigt ohne zu sagen.

Mir gefällt diese kleine Fiktion – bei Jutta im Kommentar hatte sie noch keinen Titel – so sehr, dass ich es hier noch einmal haben möchte (ich darf das, ist ja schließlich meins).

Im Zug habe ich bei mir gedacht man müsste Nejla heißen oder so ähnlich. Nejla war mal eine äußerst schöne Frau, die ich kannte. Sie sah damals so wie eine Nadja aus und die Leute nannten sie Nadja.

 
Mir brannten in dem Moment die Augen. Das ist mir schon einmal passiert. In der Kantine meiner Arbeit als eine andere so hieß wie du. Zuerst brannten mir die Augen und dann drückte es mir im Magen. Ich wollte nicht durch deine Stadt fahren.

 

Sag mir, gibt es die Häuser noch? Diejenigen um die wir im Winter streiften, an den Tagen, an denen sich die Fassaden wie Licht von dem Weißgrund des frischen Schnees abhoben? Du fandest sie wirkten wie Kuchen. Da – eins aus Himbeertote und dort eins aus Schokoladenbiskuit.

 
Ich musste so lachen, aber du sagtest, ich sähe verkehrt. Und dass du als Kind das aus Vanillepudding mit den Erdbeerfenstern wollest. Du hattest es dir zum Geburtstag gewünscht, aber dein Vater sagte, das ginge nicht. Es sei schon richtig, dass du später einmal irgendwo wohnen müsstest und es sei sehr nett, dass du alle eingeladen hättest dort einzuziehen, weil das Haus viele Wohnungen hat, aber er könne das Haus nicht kaufen. So viel Geld hätte er nicht. Im nächsten Sommer, erzähltest du, wurde das Haus aus Pflaumenkuchen, da wolltest du es nicht mehr.

 

Der Kinderspielplatz war für dich wie aus Fruchtgummi. Die bunten Schnüre für 5 Pfennig oder aufgerollte Lakritzschnecken. In zwei Hälften gebrochene Butterkekse als Schaukelsitze.

 

Der Spielplatz war leer. Du sagtest „Komm!“ und ich sagte, ich wollte nicht und habe mich deshalb geschämt. Ich wollte es für die Feigheit dir gegenüber, aber es war das ganz andere. Was du nicht wissen solltest.

 

Ich will noch immer nicht, dass du das weißt. Es wäre besser gewesen wenn ich es selbst nicht gewusst hätte.

 

Du sagtest wieder „Komm!“ und dann auch noch „Maria-Elisabeth!“ Ich nahm dir das nicht übel weil du Annekatrin heißt und ich damals die einzige war die das wirklich wusste. Die Leute sonst glaubten, du hießest Anja, aber ich hatte deinen Ausweis gesehen. Es war wie ein Geheimnis. Nur hatte ich dir meins nicht gegeben.

 

Und wer wusste schon woher mein Name sich leitete?

 

Du schriest „Marlies!“ und als ich nicht kam „Frau Kanner!“

 

Sag mir, hast du jemals erfahren, dass aus dem letzten Wort mit dem Aufkommen der Technik später „Erkan“ wurde?!

Advertisements

5 Gedanken zu “Sag mir (Fiktions-Fragment)

    1. Nein, tut sie, Frau Kanner, nicht. Oder nur in soweit als dass Dagmar und ich beide an Juttas Generator Projekt teilgenommen haben. Der Name wurde in Juttas Generator vorgegeben. (Klick mal auf den Link, der geht zu Juttas Originalbeitrag.)

      Diese Woche ist Viktor vorgegeben weshalb sich bei teilnehmenden Menschen diverse Victor/Viktor in den Blogs tummeln. Wenn du bei mir im „Schulmappen-Geschichte“-Beitrag auf den Link klickst kommst du zu Juttas Kommentarbereich dazu, wo sowohl Dagmar als auch ich (unter anderem) uns ausgetobt haben.

      Gefällt mir

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.