Reisen

Wenn man in Nächten arbeitet werden die Morgen manchmal surreal. Nicht in ihrer Eigenheit als Morgen, sondern vom Gefühl her. Auf meinem Arbeitstisch liegt immer ein schwarzer Kalender. Jeden Morgen wenn ich anfange reiße ich dort die Seiten ein. Auf der Seite, die den beginnenden Dezember anzeigt steht Was war im Dezember 2014? Darunter der Arbeitstitel eines Prosatextes.

Ich kann mich erinnern das dorthin geschrieben zu haben, ich glaubte damals, als ich diesen Kalender bekam, ich sei im Fluss und bekäme das Projekt fertig, gerade weil es so viel Biografisches enthielt (allein das war ein Denkfehler, denn entweder ich rede von mir oder ich erzähle eine auf Fakten aufbauende Fiktion , beides zugleich geht zumindest bei mir nicht). Ich war stolz auf den Titel, mir gefiel die Geschichte obwohl sie eigentlich trivial ist. Sie war schön ohne schön zu sein. Schöne Geschichten mag ich nicht, Trivialitäten perlen an mir ab. (Allein meine Grundthemen sind eigentlich trivial, wenn man sich klar macht wie viele Menschen in diesem Land und überall auf der Welt so leben, das macht einen Betroffenen eigentlich ganz normal, aber es rückt so selten in den Fokus. Weil es das nicht tut sind diese Themen für einen kurzen Moment besonders.)

Beim Einreißen sehe ich auf diese zwei Sätze und merke wie sehr mich das abstößt. So einen Titel würde ich heute nicht mehr vergeben. So ein Projekt würde ich bei aller Überzeugung, dass das erzählt werden muss nicht mehr machen. Das geht nicht ohne den Zeigefinger und der gehört in Prosa nicht rein, wenn sie jemanden erreichen soll. Das kann man sachlich erzählen. Oder in Fiktion, aber mit ganz anderem Fokus. Als Nebenstrang oder etwas das eben einfach da ist, einfach so passiert, dann bleibt auch was haften.

Letztes Jahr um die Zeit wäre mir das bei allem Wissen und allem Nachdenken nicht für eine Minute klar gewesen, weil die Sprache vor die Aussage gerückt war. Jetzt holpere ich teilweise in der Sprache, kann aber eine Aussage treffen und meine Werkzeuge nutzen.

Im Januar konnte ich keine Einkaufslisten.

Das nennt man Reise, glaube ich.

Dazu fällt mir ein Zitat von Bernward Vesper ein, der auch ein Buch namens Die Reise geschrieben hat, aber eine andere Reise meint. Es findet sich im Anhang der Ausgabe letzter Hand bei den „Materialien“ (zitiert wie dort aufgeführt):

[das narzistische des autobiographieschreibens, aber das heißt auch, die unbewusste sehnsucht nach den nie gespielten spielen zu stillen]

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Von Kirschen (Mitte der 80er) und Vögeln (Anfang der 80er)

Wäre sie wie Mikesch, dann müsste Katja mich jetzt anschreien und als hinterhältiges Miststück oder blödes Arschloch beschimpfen, weil ich Schuld daran bin, dass sie weint.

Manchmal ist das so wenn Leute aus meiner Generation oder minimal älter, manchmal auch jünger ungeplant mit etwas aus meiner Sammlung konfrontiert werden. Und das ist auch ganz normal.

Katja ist nicht einfach nur Katja. Katja ist eine Cherry-Katja, es fällt gleich auf, dass sie die Leute so wie ich früher nach ihren Schulranzen benennt.

Katja hatte einen Scout Cherry, einen rosaroten Ranzen mit einer Kirsche im Etikett. Sie hat ihn heiß und innig geliebt, ihn aber irgendwann nicht mehr behalten können, weil er in der Jugendzeit natürlich nicht mehr benutzt und eingelagert wurde. Ihre Eltern warfen ihn beim Ausmisten weg. Damals machte es ihr nichts aus, erst später als im Erwachsenenalter eine Freundin ihren Grundschulranzen vom Speicher holte und stolz war ihn ihrem Kind zeigen zu können. Damals spürte Katja einen Stich. Dann Wut und dann Trauer. Das ist bei vielen so. Ganz normal.

In meiner Sammlung gibt es ein Teil in diesem Design. Mikesch hat es irgendwo aufgetrieben.

„Deine Mutter macht das?“

„Das ist das einzige, das sie an mir wahrnimmt, mehr weiß sie nicht über mich, weil sie fast nichts interessiert. Sie weiß, wenn sie mir etwas bringt, dann habe ich einen Grund mit ihr über etwas zu reden bei dem sie nichts falsch machen kann. Ich freue mich. Sie ist sehr engagiert, aber eigentlich ist es Manipulation, weil sie in dem Moment als Gegenleistung erwartet, dass ich sie gern habe wie sie das versteht.“

„Mit meiner Mutter brauche ich davon gar nicht reden. Ob ich nicht erwachsen geworden bin oder spinne. Finde ich schade, irgendein klitzekleines Teil hätte ich schon gern, so als Erinnerung. Grundschule war bei uns noch gut, das ging alles erst los als ich zum Gymnasium kam. Die haben mich so fertig gemacht mit ihrer ganzen Streiterei, dass ich runter zur Realschule musste. Und die ganze Zeit Zoff, aber scheiden wollten sie auch nicht wegen der Leute. Die gehen sich heute noch an den Hals.“

Das kenne ich. Mikesch geht gern auf wehrlose Leute los. Noch lieber aber auf welche, die sich wehren können. Die sind dann natürlich böse wenn sie das tun. Besonders die Männer.

Katja sieht auf ein anderes Stück aus der Sammlung. „Mensch, da sind ja noch die Original-Stifte drin. Den Tornister hatten bei uns fast alle Mädchen.“ Sie hält das Mäppchen hoch.

Bei uns auch. Ich habe das Mäppchen seit ich es habe nie benutzt. Die Stifte sind nach so langer Zeit ausgetrocknet.

Katja legt das Mäppchen zurück. In ihrem Gesicht sehe ich Ein Teil. Ein verdammtes Teil. und diesen Schmerz über die Ungerechtigkeit der Entsorgung. Sie hat sich selber nicht verziehen, dass es ihr damals egal war.

Im Kopf sehe plötzlich meine Ex-Kommilitonin, deren Vater das Familienkonto um die letzen 50 DM am Monatsende räumte um ihr den einzigen Ranzen, den er damals in ihrer Lieblingsfarbe kannte zu kaufen. Sie musste beinahe 30 Jahre später heulen (Rotz und Wasser, zwei Päckchen Taschentücher), weil das Ding im Müll endete.

Ein altes Fragment (Sie schaut aus dem Fenster)

Sie schaut aus dem Fenster. Die Aprikosenkerne liegen in einer Reihe vor ihr auf dem Tisch, der alten Wachstuchdecke, von der sie nicht glaubt, dass sie vor ihr da war. Die Erdbeeren aus der Schüssel will sie nicht.

Erdbeeren will Mara nie.

Es gab welche an dem Tag, an dem sie damals mutig sein wollte. Ich hatte sie noch nicht gesehen, Heike hatte gesagt, sie sei müde vom Kindergarten und schliefe. Wir saßen in der Küche und aßen. Thorsten sammelte die Stiele ein. Dann ging die Türe auf und Mara hielt die Dose mit meinem Hörgerät in der Hand und wollte sie Heike geben. Sie sprach Deutsch, Thorsten musste dolmetschen.

Guck mal, hat sie geklaut! Mara zeigte mit dem Finger auf mich. Dass sich Thorstens Hände nicht irgendwie bewegten schien sie nicht wahrzunehmen. Heike machte die Gebärde für Woher und Mara erzählte, sie hätte im Flur die Klebebilder für ihr Sammelalbum aus der Kindergartentasche holen wollen und dabei wäre die Dose aus meiner Jackentasche gefallen. Das sei sehr wertvoll, das muss ich gestohlen haben.

Heike öffnete die Dose und gab sie mir. Sie schüttelte den Kopf.

Aber die hat sie geklaut!

Ich nahm das Gerät aus der Dose. Das kennst du doch. Das habe ich manchmal im Ohr.

Thorsten bot ihr Erdbeeren an. Mitten im Satz begann sie zu weinen, boxte mich in den Oberschenkel und rannte aus dem Raum. Thorsten meinte, dass sie noch Du Kotzkuh! gesagt hat. Mit der freien Hand hielt er Heike zurück. Sie wusste, dass Mara von Besuchern stahl. Sie tat nur so als wisse sie nichts. Die Leute hätten die Sachen wahrscheinlich verloren.


 

Das, was Sie da oben gelesen haben ist ein altes Fragment, das nie Einzug in den endlichen Text fand (einer von jenen, die dem großen Kollaps „zum Opfer fielen“ nachdem ich jahrelang mit ihm gekämpft habe), es beschäftigt mich in letzter Zeit wieder weil es implizit die Situation mit Mikesch vorwegnimmt. Nur dass im Text wirklich ein Kind stiehlt. Es stammt aus einer Zeit in der ich mich literarisch primär mit der Realität von verdrängenden Eltern und ihren gehandicapten Kindern beschäftigte und in diesem Text gab es die Besonderheit, denn das Phänomen gibt es auch, dass die Mutter der Erzählerin – ich experimentierte damals mit den unterschiedlichen Erzählweisen in Schriftdeutsch und der eigentlich nicht schriftlich erfassbaren Deutschen Gebärdensprache – als die „flügge wurde“ eine Ersatzhandlung in einem weiteren Kind suchte, das aber nicht verantworten wollte. Die Verhaltensauffälligkeiten von Mara, hier das Stehlen, sind Kommunikationsversuche. Hallo Mama, mich gibt es. oder Bitte nimm mich doch wahr. wurde irgendwann zum Heischen um negative Aufmerksamkeit.

Die ersten Zeilen in der Gegenwart – der Urtext spielte mit unterschiedlichen Strängen in unterschiedlichen Erzählzeiten – habe ich inspiriert von einer Anregung von Jutta Reichelt neu gesetzt. Eigentlich sah Mara auf eine Uhr.

In der selben Kladde wie das obige Stück findet sich noch eine anders klingende Variante dieser Szene, aus der man sehr den Einfluss von Herta Müller auf meine damaligen Texte herausließt (weshalb ich jene Variante damals verworfen habe.)

Projektionen

Ein Problem mit Mikesch, über das sich ohne Ausnahmen alle aufregen ist, dass sie fest davon überzeugt ist, dass alles und jeder alle Leute, die sie kennt ebenfalls kennen müsste. Das ist schlimmer als dass sie Leute erfindet, darüber kann man gegebenenfalls hinwegsehen. So hatte sie in den letzten zehn Jahren angeblich auf jeder ihrer Arbeitsstellen je eine Kollegin namens Violetta. [Das ist aufgrund der Seltenheit dieses Namens viel unwahrscheinlicher als wenn sie bei jeder Stelle mit beispielsweise einer Nicole zusammengearbeitet hätte.]

„Hast du sie nicht erkannt? Das war die Christina.“

Die einzige mir derzeit bekannte Christina ist die Ehefrau eines Ex-Kommilitonen und der bin ich noch nie persönlich begegnet. Bei ihr kann es sich aber auch nicht um die von Mikesch gemeinte Christina handeln, da Mikesch überhaupt nichts von meinem Ex-Kommilitonen weiß (und auch eine andere Cristina, mit der wir zusammen umschulten nicht kennt) und er und seine Frau an der bayrischen Grenze, nicht in der Nähe von Düsseldorf leben. Also frage ich welche Christina sie meint, ich kenne hier keine.

„Ja, von Heidrun. Die Tochter, so alt wie [mein Bruder], dann hat die noch ein Mädchen gekriegt, Chayenne [möglicherweise anders geschrieben].“

Ich erinnere mich weder an eine Heidrun noch an eine Tochter Christina noch daran, dass die in ihrer Jugendzeit eine Schwester bekommen haben soll. Ich kenne auch keine andere Heidrun. Woran ich mich aber erinnere ist, dass Mikesch, die wenn sie könnte den ganzen Tag Scripted Reality schauen würde und es als literarische Leistung verbucht hat Schantall tu ma die Omma winken, was ja so realistisch wäre, sie hätte sich kaputt gelacht, weil die Hartzer so doof sind, zu lesen [eines ihrer Lieblingshassobjekte ist die Mutter vom Sohn meines Stiefvaters, die als Alleinerziehende mit zwei schulpflichtigen Kindern in ALG II rutschte und nicht mehr heraus kam] sich über den Namen Chayenne mokierte.

Völlig ohne Zusammenhang an einem Tag, an dem sie sich darüber aufregte, dass das Atelier-Kind und sein Bruder so alte Namen hätten. Die sind sich persönlich nie begegnet, aber das Atelier-Kind hat seinen Namen auf ein gemaltes Bild, das ich in der Wohnung habe geschrieben und mir nichts dabei denkend habe ich den Namen vom Bruder erwähnt.

Ich habe damals zwar erkannt, dass ich auf ihren Zug aufspringen sollte, vielleicht wollte sie, dass ich frage wie sie auf den Namen kommt, aber ich spiele dabei nicht mehr mit. Zusammenhangloses lasse ich im Raum verhallen. Wenn sie Gespräche anfangen will, dann soll sie es richtig machen und keine Stöckchen hochhalten weil sie mit jemandem nichts anzufangen weiß. Sie hält diese innere Fremde nicht aus und will dann streiten, um das Gefühl zu haben die Situation unter Kontrolle zu haben.
Es fiel damals der Name Chayenne. Nicht Heidrun, nicht Christina. Der Name fiel ohne jeden Kontext außerhalb des Aufregers. Ich kann ihn realistisch gesehen gar nicht zuordnen können. Dennoch glaubt Mikesch, sie sagt „Christina“ und ich assoziiere genau die Person und die Familie, die sie sich darunter vorstellt.

Korrespondenzgedanken

Es gibt Tage, da muss ich mich fragen von wem ich in meiner Kunst am Meisten gelernt habe. Das sind andere Tage als die, an denen ich das will.

Das van Gogh-Museum in Amsterdam zeigt derzeit When I Give, eine Ausstellung, in der internationale Künstler auf ihre Art auf die Briefe Vincent van Goghs eingehen. Er teilte vieles über die Kompulsionen des Künstlerlebens. die Zwänge, die wir alle kennen.

Mir gefällt der Gedanke, aber ich weiß nicht an wen ich mich wenden müsste.

  • Lieber Nam June (Paik)
  • Lieber Uwe (Laysiepen, Ulay)
  • Liebe Herta (Müller)       
  • Liebe Elfriede (Jelinek)
  • Lieber Franz (Kafka)            
  • Lieber August (Macke)
  • Lieber Franz (Marc)

…?

 

Von Prompten

Gepromptet sollte ich werden. L. dachte, das wäre eine gute Idee, weil ich gerade einige andere Sachen aufgrund der Sturzverletzungen nicht weiter verfolgen oder beenden kann und weil sie weiß, dass mich die Untätigkeit nervös bis aggressiv macht.

Im letzten Jahr, als ich selber noch Schriftmensch war habe ich für L., die schreibt, manchmal korrekturgelesen oder Verbesserungsvorschläge gemacht, wenn sie mich darum gebeten hat. Betalesen nennt sie das. Im Gegenzug dazu hat L., die, wäre ich in etwa dann Mutter geworden wann meine Eltern glaubten man hätte zu heiraten, meine Tochter sein könnte mir bei der Ausformung eines jugendlichen Charakters geholfen. Das fand ich auf mich allein gestellt sehr schwierig. Bei uns hatte man keine Jugend. Nicht zu Hause, nicht auf der Schule, ich hatte also schon im entsprechenden Alter keinen Bezug dazu und als Erwachsene erstrecht nicht.

[Es gibt eine Stelle in Reisende auf einem Bein von Herta Müller, an der die Protagonistin Irene gefragt wird warum sie mit Kindern nicht umgehen kann. In etwa so ist das bei mir mit Jugendlichen. Nur eben nicht weil sie noch wachsen würden, sondern weil sie Erfahrungen machen können, dürfen und müssen. Bei uns musste man alles sofort und makellos können.]

L. hat sich nun also überlegt, dass dergl, die ja nun so lange nicht in Prosa gemacht hat und sich gerade wieder visueller Poesie angenähert hat, weil sie einen fiktionalen Text schreiben konnte, der in ein Konzeptstück einfließt, doch bevor sie verrückt wird wieder eine Geschichte machen könnte.

Die Idee ist nicht schlecht. Und ganz bestimmt gut gemeint. Was L. nicht mitbekommen hat und auch nicht mitbekommen konnte ist, dass die Thematik nicht mehr stimmt. Ich kann heute mit ihren Wörtern, selbst wenn ich abstrahiere und das darf ich, nichts mehr machen.

Ich erinnere mich an ein Gespräch in dem ich sie fragte warum diese ganzen Dystopien, die ihre Generation so gut findet (sie auch) in der Zukunft spielen müssen, damit sie Anklang finden. Sie bräuchte sich nur in Deutschland umzusehen. Klischees hinter sich lassen. Zum Beispiel mit ALGII-Empfängern reden. Das ist nicht ihre Welt, passiert aber genau jetzt vor ihrer Nase und kann von Menschen wie ihr genau jetzt im Kleinen geändert werden, in dem sie solche Menschen wahrnimmt. Nicht Alles Hauptschüler und Hauptschüler sind grundsätzlich dumm und asozial, Selber Schuld und Wer Arbeit will, der findet auch welche (ein Blick auf die Homepage der Agentur widerlegt das), sondern einfach mal mit den Leuten reden und sich dabei im Klaren sein, dass es gerechtfertigt ist wenn die einem nicht sofort vertrauen. Weg von der Vorstellung, die sie hatte, dass die eine wie sie grundsätzlich beneiden. (Einige tun das sicher, aber es gibt in jeder Gruppe von Menschen Menschen, die verschieden sind.) Hin zu der Vorstellung, dass unser System so angelegt ist, dass prinzipiell jeder Bürger ALG II-Empfänger ist, da mit wenigen Ausnahmen jeder, unabhängig von Bildung oder vorherigem Status, da hinein rutschen kann. Leute mit Doktortitel kleben darin fest. Künstler, von denen sie glaubte, das ginge nicht, en masse. Akademiker sind sowieso nicht immun. Mütter. Leute in Arbeit mit zu wenig Lohn.

Sie nahm meine Vorschläge an und entwarf ein Szenario, das in naher Zukunft spielen sollte. In L.s Szenario lebten die ALG II-Empfänger so wie heute die Flüchtlinge leben müssen. In Zeltlagern, Turnhallen und ähnlichem. Es gingen gegen sie hetzende Mobs auf die Straßen. Bei ihr hießen die nicht „besorgt“, was sie auch nicht sind.

Damals bat sie mich ihr eine Rolle zu schreiben. In etwa die, die ich auch ihr als Person gegenüber hatte. Sie wollte eine erwachsene Person drin haben, die alles gesehen hatte und wusste was wirklich passierte. Die sollte einer Teenagermutter (auf L.s Gymnasium gibt es, sagt sie, relativ viele Schwangerschaften), die der Ansicht war, dass sie selbst natürlich nie in die Situation kommen könnte, da sie versorgt sei (könnte L. bei den Bionade-Biedermeiern abgeschaut haben, ich weiß es nicht), das Gegenteil erklären, weil sie – was die Mutter aber nicht wusste – ein Schleuser war, der Essen und Medikamente in die Unterbringungen schleuste, was in L.s Szenario illegal war.

Selbst wenn ich noch könnte, das könnte ich nicht schreiben. Die Realität hat diese Gedanken in einigen Aspekten überholt. L. braucht sich nur umzuschauen. Es sind lediglich andere Mitmenschen betroffen.