Ein zweischneidiges Schwert

Mikesch schreibt mir eine Textnachricht, sie hätte etwas für mich. In einem Onlinekauf hätte sie etwas für meine Sammlung gefunden. Neuware, ein Stück, das ich schon länger suche und ihr woanders schon mal gezeigt hätte. Auf dem Bild im Verkaufsportal sei sogar noch das Originalpreisschild an dem Stück gewesen.

Ich lese das und freue mich.

Und weiß nicht ob ich mich freuen darf.

Weil ein materielles Geschenk ihrerseits – mein Geld nimmt sie nicht – für sie bedeutet, dass etwas „vergessen gemacht“ werden kann, das eigentlich nachhallt und Konsequenzen im Verhalten nach sich ziehen müsste. Es ist eine Form von Freikaufversuch.

Sie weiß, dass das bei mir nicht zieht. Nennt mich nachtragend und starrsinnig. Dann ist auch der echteste Dank ihr nichts wert. Sie kann nicht trennen was was ist.

Bei der Sammlung wird das besonders deutlich. Sie hat nie verstanden was diese Sammlung soll und zeitweise war sie ihr sogar peinlich (weil sie niemanden sonst kennt, der das macht), aber sie hat sich – für mich ein positiver Schock – von Anfang an für diese Sammlung eingesetzt.

Die meisten Stücke dieser Sammlung sind Schenkungen, der Rest Übernahmen.

Als ich die Sammlung begonnen habe und sie genau wie alle anderen mir bekannten Menschen von denen ich ähnliches wusste gebeten hatte, sie möge in einem entsprechend altem Laden an ihrem Wohnort fragen ob sich eventuell noch Restbestände im Lager befänden, die man zu verkaufen bereit wäre ging sie gleich dreimal dorthin und „erquatschte“ (ihre Wortwahl) Stücke, die offiziell nicht mehr existent waren sowie die Anschrift eines weiteren Ladens, der ebenfalls noch ein unverkauftes Reststück hatte. Aus dem ersten Laden dürften etwa 20 Stücke in meinem Besitz sein. Der Großteil, weil sie penetrant war.

Ich habe ihren Einsatz immer wieder betont. Andere Leute waren mit mir über dieses extreme Engagement erstaunt. Ich weiß, dass das etwas Besonderes ist. Da sie bis heute den Grund nicht versteht zumal.

Als ich noch Schriftmensch war hatte diese Sammlung viel mit meiner Kunst und dem Prozess zu tun. Generell hat sie es mit Identität. Es geht im erweiterten Sinne um Arbeitsmaterial.

Was Mikesch versteht ist: Wenn sie jemandem etwas schenkt, dann ist das ein Zeichen, dass sie die Person mag und das allein muss ein Grund sein, dass man ihr nicht böse ist und ihr alles erlaubt. Das macht sie bei allen, denen sie etwas schenkt. Deshalb sind ihre Geschenke oft über die Maßen.

Letzte Woche ist es bei uns wieder eskaliert.

Wenn sie mir jetzt mitteilt, sie hätte etwas für mich, dann ist freuen, nicht nur über den Gegenstand sondern auch den persönlichen Einsatz, ein zweischneidiges Schwert…

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