Der große Kreisel

Die, die einmal das Mikesch-Mädchen gewesen ist sagt, sie will ins Museum. Das heißt im Klartext, ich muss mitkommen. Nicht weil sie den Leuten erzählt, dass ich hin wollen würde, glaubt, sie könnte damit gute Beziehung simulieren oder nur weil sie niemanden kennt, der gern in Museen geht, sondern deshalb weil es diese dumme rechtliche Angewiesenheit gibt. Sie lässt Situationen gern so eskalieren, dass am Ende der Sicherheitsdienst da steht und sie sich als Opfer fühlen kann.

Ich kann und will ihr nicht verbieten ins Museum zu gehen. Ich will nur nicht mit. Soweit ich weiß muss man Taschen sowieso abgeben. Die Ausstellung ist gut besucht, irgendjemandem wird sie auffallen, wenn sie sich daneben benimmt. Ich könnte auch nicht mehr machen als der jeweilige Mensch. Allerdings ist die Bühne nur halb so schön wenn dergl nicht dabei ist.

Eigentlich würde ich die Ausstellung auch gern sehen. Nur nicht nach dieser Woche und nicht mit Mikesch. Mikesch sagt, sie will den Eintritt ausgeben. Ich wäre also eingeladen. Und will trotzdem nicht. Das versteht sie nicht.

Ich will nach einer Eskalation bei der sie mich körperlich verletzt hat nicht. Das hat nichts mit Strafe zu tun. Ich falle aus. Ich stehe jetzt nicht zur Verfügung. Ich muss wortwörtlich meine Wunden lecken.

Andere, die in dieser Woche irgendwie geschädigt wurden lassen sie schon wieder ankommen. Tun als ob nichts wäre und beschweren sich hinterher bei mir was Mikesch sich eigentlich einbildet nach dem was vorgefallen ist. Sie bildet sich ein, dass sie sich das erlauben kann. Aber was soll man denn machen? Grenzen setzen, Konsequenzen ziehen.

Meine sehen normalerweise so aus, dass ich ihr wenn es sein muss im Fünf-Minuten-Takt sage „Benimm dich oder ich gehe“ (sie weiß, dass ich ernst mache, wir hatten das schon). Sie ist wie ein kleines Kind. Man müsste ihr im Museum sagen, sie darf nichts anfassen und die Sachen im Museumsladen muss sie kaufen. Als ich zuletzt dort war, vor einigen Monaten, führten sie viele Artikel mit Motiven von August Macke und Franz Marc. Das gefällt ihr gut, meine Karten hält sie angeblich in Ehren, vielleicht will sie jetzt eine Tasse oder einen Schirm haben. Sie nimmt niemals kleine Sachen. Es muss immer der größte und beste Gegenstand sein, das hat sie sich auch fünfzehn Jahre nach ihrer ersten Ehe nicht abgewöhnt.

Und jetzt gehe ich nicht. Ich komme nicht mit. Alleine geht sie nicht, also kann sie sich nichts kaufen. Wenn sie sich nichts kaufen kann ist sie traurig und weil sie Gefühle nicht aushält, muss sie natürlich… Wem das nicht passt, der soll auf dergl schimpfen…

 

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