Neue Socken für den Teddy

Sie weiß, dass es mir absolut egal ist wenn sie einen Affen schiebt. Egaler wie dass ich nicht weiß ob das bei Tablettensüchtigen überhaupt so heißt. Ich kenne das Wort von Heroinkonsumenten, es ist der Zustand mit Entzugserscheinungen. Den gibt es bei allen Arten von stoffgebundenen Suchterkrankungen.

Wenn sie so weit ist wird sie besonders jammernd und maulig. Das führt meistens dazu, dass die Situation eskaliert, weil die Leute sich provozieren lassen. Weil sie das weiß wird sie extra penetrant und sucht Streit, dann hat sie in ihrer Logik einen Grund was zu nehmen, weil sie die andere Person und deren Bosheit nicht aushält.

Bei mir nicht. Sie nervt mich. Aber sie weiß, ich gebe gleichwertig zurück. Und zwar sachlich ohne sie anzugreifen. Ich schreie nicht, ich beleidige nicht, ich sage „Lass das sein“ oder „Lass mich in Ruhe“. Und wenn sie ein Äffchen schiebt, dann schiebt sie ein Äffchen. Da brauche ich gar nicht drauf eingehen. Ich lasse sie merken, dass ich Bescheid weiß, aber ich beschuldige sie nicht. Das kann sie nicht aufschaukeln. Das ist böse genug aus ihrer Sicht.

Weil das eine öffentliche Situation ist und sie es trotzdem versucht – das wäre ja die große Bühne und alle wären sich einig, dass sie ganz arm dran ist – und es mir überdies schlecht geht, ich habe Kopfschmerzen, erzähle ich ihr von der Filzwolle.

Ich hatte versehentlich Filzwolle gekauft und sie zu einem Paar Socken verstrickt. Dass die beim Waschen stark einläuft habe ich erst auf der Banderole gesehen. Ich strickte die Socken also entsprechend größer und hatte nach dem Waschen zwei Patschen in der Hand, die mir gerade so eben über die Ferse reichten. Nicht schlimm, ich konnte sie im Hausschuh tragen. Beim zweiten Waschen liefen sie erneut ein. Ich hatte nicht gewusst, dass das jedes Mal passiert, schon gar nicht bei 30°. Also gab ich sie einer Freundin für ihren fast siebenjährigen Sohn. Dem passten sie jetzt gut und er wollte ohnehin auch so welche.

Allerdings wurden sie dreckig.

„Dann hat A. sie gewaschen und dann passten sie M.“, erzähle ich. M. ist der jüngere Sohn, ein Kleinkind.

Sie grinst. Freundlich. „Und wenn sie die nochmal wäscht“, sagt sie ganz ruhig, “dann passen sie dem Teddy.“

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