Das Mikesch-Mädchen

„Das kenn ich“, sagte sie. „Da bin ich früher immer her gegangen.“

Große, lange Schornsteine. Ich weiß nicht ob von einem Bergwerk. Und ich glaube, der Ort stimmte nicht.

Ich hatte mir die Fotografien noch nicht angesehen. Ich stand vor dem Kasten mit der Capri-Batterie von Beuys. In der Oberstufe hatte meine Kunstlehrerin uns mit Beuys übersättigt und ich hatte vor noch nicht so langer Zeit erst meine erste Beuys-Ausstellung in über einem Jahrzehnt besucht. Wegen der Readymades und weil er viele Künstler, die mich inspirieren oder beeinflussen gekannt oder mit ihnen kooperiert hat. Hätte ich als Oberstufenschülerin jemals von Nam June Paik gehört gehabt und gewusst, dass der mit Beuys zu tun hatte, hätte mir meine medienkritische Installation im Rahmen einer Klausur anders bewertet werden müssen.

In der Ausstellung, in der ich gewesen war wurde die Capri-Batterie nicht gezeigt. Deshalb wollte ich sie hier sehen. Die und den Warhol-Truck. Der Rest war auch lohnend, aber ich kannte die Künstler entweder nicht oder hatte mich noch nie mit ihnen beschäftigt.

Die, mit der ich hier war beharrte darauf, dass dieses eine spezielle Foto von Bernd und Hilla Becher den Ort zeigte, an dem sie als Kind gewesen war. Dann beschrieb sie die Gegend und die Schächte der Zechen. Ich war nie dort.

***

Damals im Juni ging ich auch ein Stück weit neben einem Mädchen. Einer Sechsjährigen, von außen in einigen Tagen 58, und sie erzählte mir aufgeregt von der Erstausstrahlung von „Kater Mikesch“ der Augsburger Puppenkiste im TV. Die schwarz-weiße Fassung mit den hässlichen Puppen.

Ich kannte nur die Version von 1985 und davon war mir nur das Schild mit dem Wegweiser ins nächste Dorf in Erinnerung. Machowitz.

Als ich das sagte hat das Mädchen gezögert. Ihr war das Wort entfallen, aber sie kannte die Akteure und alle Handlung der Geschichte. Dann sprach sie davon wie sie früher wochenlang gehofft hatte, dass der Kater wieder nach Hause käme und dass sie extra brav gewesen war, damit es kein Fernsehverbot gäbe. Sie wollte unbedingt alle fünf Teile sehen, dieses Mädchen mit der roten Ledermappe aus der der Tafelschwamm heraushing und das seiner Erzählung nach immer einen Lutscher im Laden geschenkt bekam, wenn es mittags den Vater von der Frühschicht unter Tage heimholte.