Zirkel

Hätte Arbeitsjournal sein können, hätte ich Papier gehabt.

Und noch ein Findling! Mein erstes Fiktionsstück von 2005, das in einem Theater auf der Bühne endete. Eine Geschichte über Überlebende der Euthanasie und mein erster eigentlicher Ausflug in die Gebärdensprache, weil deren Muttersprachler unter den ersten Opfern waren, erzählt nach dem Krieg wie einem Kind von einem Kind.

Allerdings habe ich diesen Findling bewusst gesucht – und somit ist es vielleicht keiner -, weil ich mit dem Stil, den ich womöglich nicht wie damals noch beherrsche, überlege ob das, was einmal die „Susanne“ werden sollte, so machbar ist. Ich könnte etwas wieder wie einem Kind von einem Kind erzählen. Vielleicht machte mir das Spaß. Der Reiz ist da, ich liebäugele seit Wochen, improvisierte und experimentierte, schwang im Kopf immer wieder um, weil ich dort weg sei, und wieder zurück, denn vielleicht könnte so eine Geschichte nur so erzählt werden und nur so eine „Susanne“- Geschichte. Vielleicht muss ich von der Werkzirkel-Idee, die ich derzeit im Kopf habe weg und hin zu dieser. Noch einmal ein paar „gruselige“ Kindergeschichten?!

Strom

Mikesch erzählt stolz rum, ab Montag macht sie eine Umschulung [und würde einen Wutanfall bekommen, würde sie Montag tatsachlich am Maßnahmeort stehen und aufgrund von Feiertag ist kein Mensch da], und mault gleichzeitig über meine weitere nicht Verfügbarkeit. Ich sage ihr nicht viel, nur, dass ich nicht verfügbar bin. Es gibt da so gelbe Zettel…. Schlechter Allgemeinzustand. Ich kotze meine Milch aus, mir läuft mein Essen aus der Nase, ich friere während alle anderen noch in kurzärmeligen Sachen rumlaufen, die operierte Stelle ist noch immer geschwollen. Zwischendrin aggressionsartige Anfälle weil weder Philipp noch ich verstehen was Kaspersky Internet Security von uns will und warum die Hilfe den Begriff „Upgrade“ nicht kennt, obwohl wir nur wissen wollen wo wir die Aktivierungscodes für das Upgrade für die Lizenzverlängerung eingeben müssen. Die Schaltfläche „Verlängern“ führt zur Verkaufsseite. Wir haben die Codes im Elektrofachhandel als „code in a box“ erworben. So etwas kann mich in dem Zustand, in dem ich zur Zeit bin dermaßen fertig machen, dass ich krampfe. Dazwischen wackelt das Internet. Außerdem frustet das Atelier-Kind vor sich hin, weil keiner so richtig Zeit hat. Jemand, dem ich vor Monaten schon gesagt habe, es klappt dieses Jahr nicht mit Rehacare will wissen warum ich nicht mitkomme. Ich verweise darauf, dass ich da wo ich jetzt stattdessen sein wollte aus Krankheitsgründen auch nicht sein kann. Da ist man auch enttäuscht. Dann wieder Mikesch weil sie irgendeinen Artikel zum Spar…äh… Teilhabegesetz gelesen hat, sich zu wenig informiert fand und außerdem nicht versteht, warum „nur in Berlin“ Initiativen dagegen seien… Irgendwann finde ich ein uraltes Fragment, das gehörte zu den Vorarbeiten einer Urversion von Von den Fremdkörpern, weiß nicht warum ich das noch habe, meine das ist irgendwie umzuarbeiten, ärgere mich mit dem, was ich derzeit eigentlich mache nirgendwo wirklich hinzukommen, und weiß weder das eine noch das andere und dann springt die Lizenz-Warnung von Kaspersky wieder auf und führt natürlich wieder nur zur Verkaufsseite…

Von dem, was stört wenn es mal da ist

Der Mit-Künstler bemerkt mal wieder wie seltsam anders wir sind. Und das doch wieder gleich, obwohl wir da verschieden sein könnten. Anders weil es für uns keinen Abend gibt und auch keinen Morgen. Wir sagen nie Dies oder das mache ich am Abend oder das oder dies mache ich am Morgen.

Spätestens seit der großen Kopfoperation vor Jahren lebe ich nach Schmerzzyklen, ich habe gelernt was ich brauche und wie ich es brauche und was ich nicht brauche und wie ich es nicht brauche. So etwas wie Abende gehören dazu. Ich bin schmerztechnisch gesehen die meiste Zeit ab neunzehn Uhr nicht mehr zu gebrauchen. Das stört mich nicht weiter, dafür stehe ich morgens um vier Uhr auf.

Er lebt nicht so. Dennoch kann er für sich keine Pläne machen. Ich weiß nicht ob das wieder ein Süchtigen-Kinder-Ding ist, aber die meisten Dinge, die andere abends oder vielleicht morgens tun empfindet er als sinnlos, sie haben keinen Wert für ihn. Er passt damit nicht hinein, aber das stört nicht.

Nur manchmal. Wenn er merkt, dass es entweder andere Menschen stört oder den Prozess andere Menschen in sein Leben zu lassen. Weil die das stört.

Dann stört ihn das gewaltig.

Und wissen Sie was mich daran stört?

Ich bekomme jetzt wieder den Weiber-Scheiß ab und kann sowieso nicht helfen.

Stadtpoem

Der Kreisel war ein komischer Ort. Es war alles so wie es an solchen Orten aussah und doch anders. Bedrohlicher. Und ich wusste nicht warum. Die Leute waren freundlich und die Inhaber aus einer Großfamilie. Vielleicht war es das, weil Großfamilie und Kneipe für mich irgendwie zusammenhing.

„Ihr habt nicht mal Malzbier?“ fragte Paul vom Barhocker über die Theke.

Die Frau schüttelte den Kopf.

Die andere sagte, das sei so gefährlich wie zeitweise Kindermilchschnitte.

„Das gibt man Kleinkindern“, sagte ich.

Die eine legte den Kopf schief. „Früher schon, machte auch nichts, aber das war nicht ohne. Wir wussten das nicht. Warum wir unser Taschengeld dafür ausgaben und nie welche abkriegten.“

„Einmal dachte ich, mein Schwein pfeift. Ich habe Eva verdächtigt. Abends fünf hart ersparte in den Kühlschrank gelegt, morgens nicht eine mehr da. Was habe ich sie zur Sau gemacht… Das tat mir später leid.“

Ich stand da und verstand nicht womit das zu tun hatte.

„Dann verkauft ihr hier also nur Getränke ohne Alkohol?“

„Ja“, sagte der Mann fest. Er hatte bis jetzt still mit seinem Kaffee auf einer Treppe, die gegen die Wand führte gesessen. Ich hatte mir gemerkt, dass er Alexander ist, bei den Frauen vergaß ich immer wer Eva und wer Rebekka war.

„Und das rentiert sich?“ wollte Paul wissen.

Die eine stemmte die Unterarme auf die Theke und lehnte sich an. „Paul…“ sagte sie wie zu einem Kind. Ich glaube, es war Rebekka.

Die andere polierte Saftgläser. „Warum haben sie, du und ich Vornamen aus der Bibel?“ fragte sie über die Schulter. „Und Alexander und Sophie nicht? Antwort: Weil’s geht.“

Der Mann deutete unaufdringlich auf die Wand mit den Kinderbildern. Es waren viel mehr als ich zuerst gedacht hatte. Das war nicht nur eine Familie. Es waren verschiedene Generationen, verschiedene Leute, verschiedene Bildarten. Neben einem Schwarzweißbild von einer Familie von anno dazumal hing ein altes Kleinbild von einem türkischen Jungen mit Fußball, daneben ein ausgedrucktes Selfie einer jungen Frau mit ihrem Baby. Ich kannte sie vom Sehen. Ein Bild vom Schulanfang von einem Jungen, der aussah als könnte er mein Vater sein und ein Polaroid von einem kleinen Mädchen mit Zöpfchen im Kinderwagen. Die ganze Wand voll. Ich konnte nicht zählen. Ganz an der Seite hing ein winziges Schild. Die Kindheitslosen geboren zwischen 1902 und 2014.

Bevor ich weiterlesen konnte redete der Mann dazwischen: „Alles Kinder, deren Eltern nicht wie ich das Glück hatten sich nicht zu vermehren.“

 


 

Entstanden zwischen zwei Bechern Kaffee, also nicht wirklich in Bewegung, aber in der für das Poem üblichen Schnelligkeit. Wer im Dezember noch nicht mitgelesen hat, mag sich vielleicht diesen Artikel aus der Realität „antun“, dort geht es um solche Kindheitslosen. Wer im März noch nicht dabei war: Alles ganz normal.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Wie ich erfahre hat Mikesch ihre Maßnahme zum 15.09. nicht antreten müssen. Ich dachte, sie wäre dabei und würde jetzt Kastanien mit den Senioren sammeln. Sie hat mich noch gefragt wie man Männchen bastelt. Brauchte sie nicht, weil sie kurzfristig in etwas anderes gesteckt wurde. Das beginnt am 04.10.

Und wäre Mikesch nicht Mikesch könnte man sie dazu fast beglückwünschen. Bei dem ganzen Schrott, den die Agentur sich zwecks Statistikbereinigung ausdenkt sind äußerst selten sinnvolle Maßnahmen dabei. Noch weniger welche, die auf Vorberufen aufbauen. Und noch weniger welche davon, die an Menschen vergeben werden, die mehrere Jahre aus dem Vorberuf raus sind. Im Gegenteil werden die meisten Menschen, die länger als ein paar Jahre aus ihrem gelernten Beruf raus sind in den Computern der Agentur als Ungelernte geführt.

Es gibt Menschen, die haben einen Beruf, waren darin gut, würden gern wieder darin arbeiten und sind trotzdem jahrelang arbeitslos. Zu alt, zu teuer, zu Eltern, zu was auch immer. Die sind mitunter sehr engagiert und motiviert und würden Freudenschreie ausstoßen ob dem, das Mikesch jetzt machen soll, wenn der Vorberuf stimmte. Oft sind sie so zermürbt von Arbeitslosigkeit oder Billigjobs und so fokussiert auf Arbeit als Teil ihres subjektiv empfundenen Selbstwerts, dass ihnen der ausbeuterische Charakter, den das Ganze in der letztendlichen Praxis hat erstmal egal ist.

Es gibt Menschen, die dachten, sie müssten niemals arbeiten und könnten vom Geld, dass der Mensch mit dem eine Ehe geschlossen wurde leben bis ans Ende ihrer Tage. Diese Menschen sind missmutig wenn das nicht funktioniert und sie, weil Agentur oder Amt nicht extra für sie alle Wege ändern, in manchmal schon höherem Alter in mitunter niedrige Ausbildungen gesteckt werden.

Mikesch ging das so in den Nullerjahren, als sie zu einer Pflegeausbildung verdonnert wurde. Das hat sie möglicherweise noch mit verschuldet weil sie groß rumgeprahlt hat, sie hätte Ahnung von häuslicher Pflege und von damals noch vorhandenen Freundinnen falsche Bescheinigungen einholte über die Pflege derer „Eltern“. [Eine Frau bezeichnete den Vater ihres geschiedenen Mannes als den eigenen Vater als das rauskam, wollte Mikesch natürlich von den Konsequenzen nichts wissen.]

De facto hat sie nie in der Pflege gearbeitet, weil sie nicht übernommen wurde und das Zertifikat aus ihrer sechsmonatigen Pflegehelferausbildung nur einrichtungsgebunden gilt.

Und jetzt bietet die Agentur ihr, aufbauend darauf, dass sie ja Pflegekraft sei ab Oktober zwei Monate Demenzfortbildung an.

Das wäre schon für eine gesunde Person, die länger aus der Pflege raus ist und überdies weder die einjährige Ausbildung noch die dreijährige mit Examen hat hart. Diverse meiner Freunde und Ex-Kommilitonen kennen das und sind examiniert.

Aber wir reden von Mikesch. Und weil wir hier von Mikesch reden ist das Ganze nicht nur naiv, dumm oder undurchdacht es ist gefährlich und grob fahrlässig.

Die haben die Akten, die haben alles an Papieren. Die wissen um was für einen Menschen es sich handelt. Gewaltausbrüche, Diebstähle, Beleidigungen inklusive. Trotzdem geht die Statistik vor.

Die Person beim Amt, das für die Betreuungssachen zuständig ist findet heraus, dass irgendwelche Zettel fehlen und Mikesch dafür andere vorgelegt hat. Mehr weiß ich nicht.

Die Person beim Amt bekommt etwas gesagt wie, was solle man denn sonst mit der Frau machen?!

Nicht das!

Zu Hause vor der Glotze oder bei Ebay kann sie keinem etwas tun, in einem Heim oder einer Tagesgruppe oder Wohngemeinschaft gefährdet sie wehrlose Menschen, weil sie sich übermächtig vorkommen wird. Nicht obwohl sondern weil diese Menschen ihr ausgeliefert sind.

[Abgesehen davon kann das bei ihr sonst was auslösen, denn ihr Vater zeigte kurz vor seinem Suizid leichte Demenzsymptome. Wer weiß was das triggert.]

Ja, aber, da ist doch keine gerichtlich festgelegte… [Stiefvater hat gepennt.]

Ich bin krankgeschrieben, immer noch matt und entzündungszerfressen, es obliegt jetzt allein der Amtsfrau dafür zu sorgen, dass Mikesch diese Maßnahme auf überhaupt keinen Fall antritt.

 

Unter Künstlern

Gelegentlich tausche ich mich mit ausländischen und im Ausland lebenden Künstlermenschen aus. Das funktioniert hauptsächlich im Rahmen eines Selbsthilfeprogrammes, mitunter fällt jedoch etwas Themenfremdes zur Seite runter. Über das darf dann auch auswärts gesprochen werden. Der Fragesteller in diesem Fall will das auch so.

Diesmal wurde ich gefragt, ob ich das älteste Kind in meiner Familie sei. Das sei von Interesse weil ich doch eine so große Verteidigerin papierner Bücher bin. Es sei häufig so, dass Erstgeborene avid book collectors abgeben und für mich ist es ja nun mal so, dass ein Buch dieses Ding aus Papier mit den vielen Seiten, die erst beschrieben oder bedruckt werden müssen und der (meistens) Pappe drumrum ist und nicht irgendeine Datei auf irgendeiner Platte aus Elektronik.

Es ist wirklich so, mag an meinem Erstberuf liegen, aber ein wie auch immer geartetes Ebook nehme ich nicht als Buch wahr. Das meine ich nicht negativ, ich kann es einfach nicht. Das ist für mich nicht machbar. Auch wenn ich der letzte Mensch sein werde, der diese Dinger aus Papier mit den vielen Seiten, die erst beschrieben oder bedruckt werden mussten und der (meistens) Pappe drumrum benutzt.

Die Frage ist einerseits banal und andererseits interessant. Ich bin tatsächlich die Älteste. Und Sie, die buchaffinen – ich meine das Ding aus Papier! – unter meinen Lesern? Auch älteste Kinder? Nur mal so aus Interesse.

Ganz weit fachfremde Frage

Benutzt jemand von Ihnen Kaspersky Internet Security, weiß wie das mit dem Upgrade auf die Version des nächsten Jahres geht und kann es mir bitte erklären? Die Hilfeseiten sind mir nicht sehr aufschlussreich.

Ich hatte im letzten Jahr eine Version – nicht Upgrade – auf Datenträger erworben und damit ging alles klar. Dafür wollte ich ein Upgrade von Version 2016 auf die Version für 2017 haben und das gibt es wie auch das andere zur Erstinstallation nur noch als Code in a box zum Download. Den in der Anleitung angegeben Link zur der Seite auf der man sein Produkt runterladen können soll gibt es nicht. Ich habe einen anderen gefunden. Da steht überall was von Kaufen.

Ich habe den Code im Laden gekauft. Wenn ich die Version für 2017 jetzt runterlade, was passiert dann? Geht dann ein Fenster auf wo man den Aktivierungscode eingeben kann oder erst noch was anderes?

Der Grund warum ich das nicht einfach probiere ist, weil meine derzeitige Lizenz noch bis Anfang Oktober läuft und ich so ungern verschwende.

Der Grund warum der Mit-Künstler mir nicht helfen kann ist, dass er genau so wenig Ahnung hat wie ich. Und genauso wenig experimentierfreudig ist. Handschuhschenker und Atelier-Kind-Familie nutzen jeweils andere Software.