Die Zeiten sind nicht mehr die Zeiten

Zum Ferienende

Habe ich Ihnen eigentlich erzählt, dass das Atelier-Kind nichts mit der Beschreibung der Hydraulik einer Baukranes anfangen konnte? [Ich offenbar auch nicht wenn ich nicht mehr weiß ob das wirklich Hydraulik hieß.] Dabei war der Handschuhschenker so in seinem Element beim Erklären.

Früher fanden Jungs das spannend…

Die Zeiten sind nicht mehr die Zeiten.

 

Das graue Haar

Mikesch ist empört! Weil… also… das geht doch nicht… Die dergl, die ist noch nicht ganz sechsundreißig, erst im Herbst, und hat schon graue Haare. Echt! Schlimm ist das.

Und was noch viel schlimmer ist: Die will gar nichts dagegen machen! Die sagt, das ist eben so, und dass es nur ein Haar ist.

Aber da muss man doch färben! Muss man, machen alle Frauen. Graue Haare haben nur Männer.

Außerdem muss die sowieso zum Friseur. Die muss die Haare nämlich jetzt abschneiden. Wie sieht das denn aus wenn man lange Haare hat und aufm Kopf schon grau ist?! Überhaupt mit die langen Haare bei der immer. Sieht aus wie’n Kerl!

Wie, die Mikesch weiß ganz genau, dass die dergl keine kurzen Haare haben will und dass sie außerdem einen Kurzhaarschnitt gar nicht selber frisieren kann? Na, dann muss die dafür mal einen beantragen. Der kommt dann morgens und macht ihr die Haare, muss man nur zum Arzt gehen und sagen Ich brauche das, kriegen die Alten auch und die Behinderten kriegen immer alles, da macht die dergl bestimmt was falsch. Aber wenn sie schon so alt ist, dass sie graue Haare kriegt, dann kann sie sowieso ins Heim ziehen.

Gut, dass man selber nicht so aussieht, dabei ist man doppelt so alt. Polyirgendwas Coloration ist eine tolle Sache. Wie, man ist nicht doppelt so alt wie die dergl? Aber man ist doch doppelt so alt… jawohl, man war dreißig Jahre alt als der Diddl-Maus-Junge zur Welt kam und der wird jetzt dreißig und die dergl ist doch nur älter als der, sechs Jahre sind doch gar nicht so viel…

Sipp- und Seilschaften

Mit wem Sie es hier zu tun haben

Das mit dem Glossar gefällt mir nicht. Es passt einfach nicht. Ich glaube, in so was wie das Ding hier muss man rein geschmissen werden. Das ist kein Entertainment, keine schnelle Lektüre und in der Realität warnt sie auch niemand vor. Wer weiß, vielleicht hat Ihnen Mikesch schon Brot verkauft und Sie haben gar nicht gemerkt wie schlecht es dem Menschen, der Ihnen das Geld rausgibt geht. Vielleicht ist die nette Nachbarin mit dem Hund aus der Tierrettung, die immer so freundlich grüßt eine wie die Mit-Künstler-Mutter oder Ihr älterer Postmann einer wie der Handschuhschenker, vielleicht der Proll mit der tiefer gelegten Protzekarre und der ätzenden Bumbum-Musik ein erwachsenes Kind wie der Diddl-Maus-Junge, der dauergenervte Kassierer oder Lieferant einer wie der Mit-Künstler oder die Frau, die beim Elternbasteln in der Kita jedes Mal plötzlich aufspringt und wegmuss eine wie dergl. Das steht nicht unbedingt in deren Gesicht.

Allerdings, hier lesen ja – das scheint eine Besonderheit der Fädenrisse unter den Blogs dieser Art zu sein – auch recht viele Nicht-Betroffene, ein Mittelweg: Einmal die Besetzung erklärt, dann ist bei Gelegenheit ein Artikel dazu vorhanden auf den verwiesen werden kann.

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Stadtpoem

Vielleicht mache ich mir aber auch völlig die falschen Gedanken und das ist ein Irrgarten. Es könnte ja auch brennen, wer kann das wissen?! Einen Schlüssel zu haben ist immer gut. Im Irrgarten nützt der überhaupt nichts. Aber vielleicht mache ich mir nur völlig die falschen Gedanken und es ist ein Labyrinth. Aber ist das nicht dasselbe in grün? Wer kann das wissen?! Aber einen Schlüssel zu haben ist immer gut.

Gefechte, nach wie vor

Der Handschuhschenker braucht Hilfe. Ich sei doch Fachfrau für den Zustand danach, wenn ein beklopptes Weib einen die ganze Nacht auf Trapp gehalten hat. Er sei so mit den Nerven runter, er hat schon drei Marmeladenbrote intus. Außerdem würde er gern ausrasten.

Die Handschuhschenker-Schwester und Großneffen-Oma spielt immer noch Krieg. Nachdem sie sämtliche Verwandten, die sich im Internet befinden – also bei sozialen Netzwerken mitmachen – gegeneinander aufgehetzt hat, ist es jetzt wieder das Telefon.

Der Großneffe, das Schwester-Enkelkind, kann nichts für seinen Namen oder dafür wie die Eltern ihn erklärt haben!

Der Handschuhschenker kann nichts für die Endsilbe!

Die anderen Großeltern können nichts dafür, dass sie zufällig etwas mit L und U am Anfang heißen!

Irgendwer anders in der Familie muss die Eltern nicht dazu bringen das Kind umzubenennen!

Es ist ein Nervenkrieg um gelbe Zitronen und rote Erdbeeren, grünes Gras und schwarze Kohle. In aller Offenheit subtil und sinnlos. In solchen Familien aber nicht unnormal.

Gerade weil man das weiß, ist es so schwierig.

Zufälle

Das ist merkwürdig: Morgens habe ich das Armband, das Mikesch mir nach dem Tod ihrer Mutter schenkte in der Hand und muss an Die Küchenuhr von Wolfgang Borchert denken. Nachmittags zeigt uns Salma in der Begegnungsstätte einen Ausdruck aus dem Deutschkurs und darauf ist ein Auszug aus seinem Text Sag nein! [von dem ich gerade nicht im Kopf habe, ob er offiziell so heißt].

Ich rede mir ein so ein Zufall kann nicht an den Medikamenten liegen.