Judgement: Nemesis und Testament

Ich hatte mir ja eigentlich vorgenommen nie etwas von VNV Nation einzubetten, weil ich nach 2010 musikalisch nicht mehr mitgehen konnte. Hier zwei Stücke vom 2008er Judgement, ziemlich passend zur Weltsituation.

[Herr Harris müsste sich nach… lassen wir das ganz schnell aus Hamburg ins von Finanzkrisen geschüttelte Irland verpissen. „Nation“ im Bandname hat nichts mit nationalistisch zu tun und der Grundtenor dieser Band war salopp übersetzt: Krieg, Ausgrenzung und Ungerechtigkeiten sind Scheiße – hoffentlich stimmt das wenigstens noch.]

Everybody wants to live in a lie
But why should we delude ourselves?
It’s not as if we can’t see something’s wrong
Where’s the duty to what’s right?
Intentions end with empty words
And chaos replaces order
Those who shout the loudest impose their will
Upholding laws that serve the few
Declaring peace while the sirens sing In the name of progress, the name of madness
Drum beats faster, crowd shouts louder and chaos replaces order
I want justice for the voice that can’t be heard
Vindication for every suffering and hurt
Let retribution hold dominion over earth
Because Judgement Day’s not coming
Judgement Day’s not coming soon enough

(Damit das klar ist: Mit den Stimmen, die nicht gehört werden können sind nicht die Spinner gemeint, die von sich deklarieren das ganze Volk zu sein oder sich irgendein Land zurückholen wollen.)

 

 

Und wenn wir schon dabei sind, der Kollege aus dem Verkehrsverbund – ich erlaube mir die Titulierung einfach mal – hat was Substantielles zu sagen. Gehen Sie lesen.

 

Es tut mir übrigens leid, dass dieser Monat etwas Videolastig ist/war, wird sich wieder ändern.

Advertisements

4.32h, erster Kaffee

Ein Geburtstags-Klecks für Nicole aus der Truppe beim Unverlinkbaren, die nicht in den Tintenklecksen liest – weshalb sich das nicht dort findet – und früher Boyband-Fan war. Meine freundlichen lesenden Menschen sind empathisch, sie muss den Tag familienbedingt mit ihrer Mikesch zubringen.

Katrin stellte das Radio aus. Es war ein seltsamer Moment, so ähnlich wie vor einigen Jahren vor der Litfaßsäule, an der sie das Plakat gesehen und sich gefragt hatte warum der Fünfte fehlte, bis sie sich dunkel an eine Schlagzeile Ende der Nuller erinnerte. Herzkrank, tot. Gerade der war Lucys Liebling gewesen.

Bristol-Lucy, ihre Brieffreundin aus der Zeit als die Band aktiv und jung war. Damals als es noch Maxi-CDs gab und Lucy darüber verwundert war, dass es in Deutschland keine „cassette singles“ gab, Katrin aber noch nicht ganz durchblickte warum einige Lieder nur in bestimmten Ländern veröffentlicht wurden. Sie kannte eines, das Lucy nicht kannte, dafür hatte es die Debüt-Single nie außerhalb von Irland und UK gegeben. Katrin hatte die Poster in den britischen Zeitschriften bewundert, die mageren aus den deutschen konnten dagegen nicht anstinken. Sie war unendlich froh gewesen als ein Mädchen aus Schottland, Mhairi, ihr anbot britische Poster und Zeitungsartikel über die Band gegen deutsche über Caught In The Act zu tauschen. Die hatten in UK den Durchbruch nicht geschafft (Katrin konnte verstehen warum).

Katrin stellte den Apparat wieder an, das Lied war noch nicht zu Ende. Sie schluckte und sah plötzlich das Fan-Club-Magazin und sich selbst in der Schlange bei der Post für die Internationalen Antwortscheine anstehen vor ihrem inneren Auge. Hingen da noch die Terroristensuchplakate wegen der RAF?

Sie hörte sich summen, dann singen. Dada- dada-da-dadada.

Im Januar…

schrieb ich das hier.

Vielleicht möchten Sie auch das Video in dem alten Artikel abspielen. Der Sänger genau wie meine Mutter (und damit wenn man die Schraube dreht auch mein Bruder und ich), müsste nach dem  Gedankengut bestimmter Leute („Menschen“ will ich nicht sagen) seine Pässe – so weit ich weiß hat er deutsche Staatsangehörigkeit – zurückgeben und sich „dahin, wo er herkommt“ begegeben.

 

Update, denn das hier ist ja eigentlich ein Mikesch-Verhalten-Dokumentations-Blog:

„Du, die mit der Lesbe haben die Wahl gewonnen, ist das jetzt gut oder schlecht?“

Erstens haben sie zum Glück die Wahl nicht gewonnen, zweitens ist die Sexualität von irgendwem total egal, drittens: Das ist jetzt sehr schlecht, Mikesch. Habe ich ihr auch so gesagt. Die wollen dich nämlich einsperren, Mikesch [das habe ich ihr nicht gesagt] und begründen das bestimmt mit Genen und damit, dass du Flüchtling wärest. [Ihr Vater kam 1946, sie ist hier geboren.]

„Wenn die mit dem Türke Bundeskanzler geworden wären, hätte es dann überall Döner umsonst gegeben?“

Eine Partei kann kein Bundeskanzler werden, nur eine Person und warum sollte es dann Döner umsonst geben? Gibt doch jetzt auch keine kostenlose Erbsensuppe – bäh – oder so etwas für alle auf Kosten von Angela Merkel. Und der Schulz hätte auch nicht jedem einzelnen Bürger zur Feier des Tages ein Glas Traubensaft spendiert.

#Magisches Wahndenken oder grandiose Trübung

 

Gottgeschenke IV

An einem anderen Tag, an dem er das Hemd trug waren Theo und ich bei den Höfen gewesen. Es war ein weiter Weg, unendlich lange am Fluss, aber das Wetter war gut und wir tranken abwechselnd aus einer Flasche Malzbier und stellten uns vor wie lustig es wäre, wenn uns jemand dabei sehen und für jugendliche Säufer halten würde. Ich hatte keine Angst, auch nicht als ich den Hund auf uns zukommen sah.

„Was will der von uns?“

Theo zischte mir zu „Das ist ergebnisoffen.“, er sagte nie Das weiß ich nicht.

Der Hund blieb stehen und roch an uns, es war mir unangenehm, aber ich blieb ruhig bis ich sein Herrchen sah.

Der Mann sah zu Theo, ging an uns vorbei, drehte sich nochmal um und rief: „Irgendwas musst du an dir haben, das macht der sonst nur bei Frauen mit Binden.“

Mir fiel damals der Moment in Theos Augen nicht auf, vielleicht würde man das heute postfaktisch nennen, ich hörte nur das geknurrte „Quadratscheißer!“

Ich fragte nicht nach dem Wort, ich fragte was Theos Problem mit Mannheim wäre, dem Dialekt nach kam der Mann vun Monnem.

„Mich haben sie bei John Deere abgelehnt.“

Das vierte Installment für die Gottgeschenke (alle bisherigen Teile hinter dem Link). Die Worte, die dieses Mal einzubauen waren finden sich hier.

 

Kleinigkeiten

In Hattingen – auch eine Stadt in der Nähe von Düsseldorf, ich war da noch nie, kenne aber assistenzbedingt eine Person, die dort wohnt, so dass ich ungefähr weiß wo es ist – hat ein Pfleger Bewohnerinnen einer Lebenshilfe-Einrichtung sexuell missbraucht und steht vor Gericht wie die Westdeutsche Allgemeine (via kobinet) berichtet.

Traurig, dass man sagen muss immerhin, im größten Teil der Fälle kommen die Täter und Täterinnen ohne Anzeige und ungestraft davon.

***

Etwas aus Hamburg, das aber im Ruhrgebiet passiert ist. Solche Situationen zählen für mich zur Kategorie Albtraum, weil ich nichts machen kann. Ich kann keine aktive Hilfe leisten oder verständliche Notrufe absenden, das heißt aber nicht, dass man nicht versuchen kann auf der Straße vor der Bank jemanden abzufangen, der helfen kann oder zumindest einen Notarzt ruft und dann bei dem ohnmächtigen Menschen bleibt. Der Stadtteil grenzt an den, in dem Mikesch aufwuchs. Ich kenne das Gebäude, das ist in der Fußgängerzone oder nahe dran (falls verlegt wurde), selbst wenn man nur schreit, irgendjemand bekommt etwas mit und wenn man in den nächsten Laden rennt oder wild klingelt.

***

Mikesch tut als wäre es etwas Neues, dass K. seit neuestem – im Sinne von jahreszeitenbedingt – früh und spät mit „Spray“ vor die Tür geht. Ist es aber nicht. Das macht sie seit Jahren, wenn sie in der Dämmerung oder im Dunkeln alleine draußen ist. Sie hat einen Hund, aber auch die Erinnerung, dass ein Hund sie bei Tageslicht nicht vor zwei Tätern schützen konnte. Sie hat gelernt und ein Zertifikat darüber wie man mit dem Spray umgeht und im Gegensatz zu Mikesch oder der ein oder anderen Person, die meint, man kann mit dem Zeug spaßen würde sie es nie außerhalb einer konkreten Notsituation anwenden.

***

Die Philipp-Mama wiederrum hat bemerkt, dass eine meiner Nachbarinnen einen neuen Laminatboden hat – nicht weil sie hier gewesen wäre, sondern weil sie die Frau kennt -, und meint so etwas könnte ich auch gebrauchen. Schön wäre das natürlich, aber die Begutachtung durch die Eigentümerfirma hat ergeben, dass auch meine leicht undichten Fenster noch bis mindestens 2018 halten müssen. Sonst müsste ich den Umbau selber finanzieren. Das kann ich nicht und ich muss um jeden Preis versuchen eine weitere Mieterhöhung, wenn auch durch höhere Nebenkosten entstanden, zu vermeiden. Sonst muss ich raus und ich habe keine Ahnung wohin. Also mache ich mir eher Gedanken über Kondenswasser und abdichtende Tücher denn mindestens zehn Jahre alte Laminatböden.

***

Das Atelier-Kind und sein Freund Friedrich haben hier Pfirsich-Pannacotta-Tee eingeführt. Ich mochte schon als Kind keinen Früchtee, aber so schlecht ist der nicht. Philipp und der Handschuhschenker mögen ihn auch. Bloß stehen diese vier Herren vor einer Frage: Wieso richtet sich die Verpackung so speziell an Frauen? Die größeren Herren verstehen das natürlich und fragen es sich nicht ernsthaft, die kleineren Herren finden es ungerecht: Dürfen Jungs keinen leckeren Tee trinken und nur so Ekelzeugs wie Brennnessel (pfui, dergl!), Pfefferminz und Fenchel?

***

Luxus: Ich habe einen Taschenkalender für 2018. Ich meine das ernst, das ist jedes Jahr ein ganz besonderes Gefühl, wenn ich 2-3 Euro, die ich meist absichtlich erspart habe, dafür erübrigen konnte.

***

Öffentlicher Bücherschrank: Klaus Mann. Hurra!

Ich weiß nicht warum, aber ja, ich habe offenbar ein besonderes Verhältnis zu Werken von Leuten, die mit Vornamen Klaus heißen, siehe auch Herr Nomi. Ich bin mir nicht sicher, dass das mit meinem Kumpel Heidelberg-Klaus zu tun hat, den kannte ich schon bevor ich den einen oder den anderen kannte. Aber ich bin sicher für Nomi hätte ich ihn begeistern können.

Boris‘ Fundstück auf dem Plattenspieler vom Handschuhschenker ausprobiert. Sowohl der Handschuhschenker als auch Philipp haben bessere und tinnitusfreie Gehöre als ich und beide sagen, die Qualität ist besser als auf CD. Sehr schön. Ich bemerke so etwas nicht.

***

Nachtrag: Übermorgen ist nicht nur Wahl, sondern auch Tag der Gehörlosen (kurz erklärt im „Kleinen Kalender“, einen besseren Link, der das diesjährige Datum nennt finde ich auf die Schnelle nicht) und das bedeutet, dass was immer bei Christiane und den Etüden als Wortspende für die Woche eingegangen ist natürlich zu Ehren des Atelier-Kindes und seiner Familie in eine Etüde über Gehörlose eingeht. Da der Tag der Gehörlosen ein internationaler Tag ist um die Aufmerksamkeit (Awareness) für Gehörlose und Gebärdensprachen zu erhöhen und es mitunter hier recht interessierte Leser gibt: Gibt es Aspekte, die als besonders interessant empfunden werden? Wenn ich kann, werde ich versuchen die in die Feiertags-Etüde(n) einzubauen.

***

Noch ein Nachtrag: Ich habe es geschafft mal weiter zu kommen. Splitter auf den Abweichungen. Zwar immer noch nicht ganz der alte Stil, aber mehr in die Richtung und mit erwachsenen Protagonistinnen. Ein Stück wie es auch früher in die Frauenhauszyklen gepasst hätte, also aus dem Themenkomplex häusliche Gewalt, hier mit Schrägstrich Gewalt gegen Behinderte.

Ohne weitere Worte

Beim Unverlinkbaren gibt es manchmal wunderbar inspirierende Schreibanstöße in Form von vorgegebenen Liedern, deren Thema man aufgreifen soll ohne sich auf das jeweilige Lied zu beziehen.

Dieses Mal darf nicht nicht mitmachen, weil ich nicht glaubhaft machen konnte, dass ich das Video nicht kannte. Das, was ich inspiriert vom Text – mir war selbst das Audio unbekannt –  begonnen habe darf ich nicht einreichen, weil es durch den Plot des Videos wie eine Bezugnahme, wenn auch indirekt wirkt. Vielleicht bekomme ich es dennoch fertig.

Ich bin total fasziniert, jetzt wo ich es kenne:

 

 

Wenn Sie Probleme damit haben sich unbekleidete weibliche Oberkörper anzusehen, spielen Sie es nicht ab. Diverse Fernsehanstalten haben es zur damaligen Zeit nicht gespielt.

Die Mit-Künstler-Mutter ist noch im Besitz vom Original-Vinyl.

„Rückfällig“

Da will man eigentlich [man will nicht, man muss] nur mal eben – so schnell wie möglich – Terrorsquad-Nachsorge machen gehen, das heißt, den Leuten, die von Mikesch belästigt wurden die Zettel geben, die man vom Gespräch mit der Polizeiberatung bekommen hat und trifft eine Frau, die seit Jahren in Mikeschs Nähe wohnt und nie vermuten würde, dass die arme Frau – Mikesch – ganz anders arm ist als sie tut.

N. ist mein Jahrgang und eigentlich kennen wir uns nur vom Sehen. Wie das so ist, man läuft über Jahre immer wieder aneinander vorbei und grüßt sich irgendwann.

Sie: „Sag mal, [der Name auf offiziellen Dokumenten, aber so wie Mikesch ihn spricht und schreibt, also auch hochoffiziell falsch, denn in meinem Ausweis und sämtlichen anderen Dokumenten steht er richtig und genauso wie er da steht will ich ihn gesprochen haben, wenn es schon sein muss; Realitätscheck: kein Mensch, außer Mikesch und ihr Mikrokosmos, nennt mich so, fast niemand weiß, dass ich so heiße], kannst du das deinen Kindern zumuten?“

Mikesch hat also mal wieder – oder nach wie vor, das weiß ich nicht – ihre ausgedachten Enkelkinder am Start.

Ich: „Was?“

Sie: „Diese Klamotten?“

Ich: „Was ist damit?“

Sie: „Ganz schwarz, beim ersten Mal dachte ich noch, du gehst zu ‘ner Beerdigung. [Irgendwo in dem Stadtteil ist ein Friedhof.] Das‘ aber jetzt das dritte Mal. Meine Söhne würden sich erschrecken.“

Ich: „Meiner erschreckt sich nicht.“

Auch wenn es nicht meiner ist: Dem Atelier-Kind ist völlig egal was ich anhabe und als ich noch nicht Feuerwehrmensch war fanden einige Kolleginnen mal grün viel verstörender. Damals hatte ich eine grüne Lieblingshose und trug einmal zufällig einen grünen Pullover dazu. Blöderweise war meine damalige Wetterjacke armeegrün und es am Regnen.

Sie: „Aber so ’ne Phase hat man doch spätestens mit der Jugend durch.“

Auf so etwas gibt es keine passenden Antworten.

Sie: „Oder ist das bei euch Behinderten so, dass ihr rückfällig werdet?“

Man beachte das Wort rückfällig in dem Kontext. Ich habe ja auch manchmal Probleme mit Wortbedeutungen, haue Artikel und Genera durcheinander und kann nicht spontan deklinieren, aber ich – nein, ich spiele damit nicht auf meine etwas seltsame Art Deutsch gelernt zu haben an -, bin auch keine germanistikstudierte Gymnasiallehrerin.

Ist das nun Teil dieses 50er Jahre Rollen- und Menschenverständnis-Rollbacks…’tschuldigung Rückfalls?!