Advent, Advent

Dass die Weihnachtszeit manchmal schwer sein kann, hatten wir hier ja schon. Dazu muss man nicht mal Süchtigen-Kind sein. Auch wenn bei uns vielleicht eher auffällt wenn wir allein sind.

Christiane ist kein Süchtigen-Kind und hat dennoch einen guten Text zum Thema Weihnachten alleine geschrieben. Ich kenne das ähnlich von früher. Wenn ich nicht zu Mikesch gehe und das tue ich mir freiwillig nicht mehr an, dann bin ich alleine. Der Handschuhschenker war Jahrzehnte lang alleine. Der Mit-Künstler ist es nur deshalb nicht weil am Ende die Einsamkeit oft so erdrückend ist, dass er doch zur Mutter geht, auch wenn er weiß was ihn da erwartet. Als Walburga noch in Berlin lebte hat sie die Feiertagsschichten nur so an sich gerissen um nicht alleine rumzusitzen in ihrer Einzimmerwohnung und irgendwelche Mitleids-Fresspakete mit lauter Zeug, das sie sowieso nicht mag zu bekommen.

Mir macht das Alleinsein dann heute nichts mehr aus, für mich sind es einfach ein paar Tage an denen die Geschäfte zu sind und ich Zeit zum Lesen habe. Bei mir gibt es auch kein besonderes Fressi – schon gar nicht retro, also bestellt – und der Adventskalender wurde mir von Atelier-Kind aufgenötigt [weil ich ein Mal nach einem Riegel Kinderschokolade gefragt habe]. Andere bekommen wie auch immer geartete Krisen.

 

Ansonsten steht meine Empfehlung für Emils Adventskalender.

Salma will etwas wissen

Vorab: Es verschwinden gerade wieder Kommentare und ich muss wieder bereits freigeschaltete Leute freischalten. Was ich finde, finde ich, was ich nicht finde, tut mir leid, ist das System. Kann momentan auch etwas dauern, wie Sie wahrscheinlich mitbekommen haben wurde es gestern ernst mit dem Spar…äh Teilhabegesetz. Ich bin daher etwas beschäftigt.

Die 5 aus 9-Regelung, die sowohl für mich als auch für das Atelier-Kind samt Familie noch drastischere Einschnitte als derzeit bedeutet hätte ist so weit ich zusammenbekommen habe bis 2023 vom Tisch, die Katastrophe Zwangspoolen – und damit das Damoklesschwert Schule zum Beispiel beim Atelier-Kind – wurde als legal, wünschenswert und erlaubt durchgewunken. Als Beispiel. Es ist und bleibt nicht unser Gesetz und es muss kein Mensch und keine Politik meinen, dass wir denen die Füße küssen, nur weil wir einen Teil der Rechte, die wir bis jetzt hatten behalten dürfen. Verbessert hat sich für viele nichts. Das heißt der Kampf geht weiter.  Muss weiter gehen.

 

Jetzt aber was Nettes für Sie, denn Salma möchte etwas wissen:

Warum  werden an Silvester Berliner Ballen gegessen?

Kann das jemand von Ihnen erklären? Ich mag das Zeug nicht, weiß also nicht annähernd zu welchen Anlässen man das isst oder woher die Tradition kommt.

 

Gute Nacht

Im Dezember ist die nächste OP und der Operateur erzählt mir, ich müsse vorher endlich mal genügend Schlaf bekommen. Wenn ich nicht kann, soll ich etwas Entsprechendes nehmen.

Davon ausgehend, dass er weiß wovon er spricht sage ich, er soll es verschreiben.

Das nennt man heute aber nicht mehr Gesundheitswesen. Ich soll mir etwas rezeptfreies aus der Apotheke holen. Ohne einen Hinweis was.

Ich habe so etwas noch nie genommen, ich kenne auch niemanden, der je so etwas gekauft hat, schon gar nicht in einem ähnlichen Zustand wie ich. Ich will mich nicht versehentlich umbringen nur weil ich irgendeine recherchierte Marke verlange.

Pflanzenzeug bringt bei mir gar nichts, ich brauche Chemie. Und egal was es ist, wenn da steht man soll eine Ganze nehmen, nehme ich eine Halbe, weil ich keine Ahnung habe, wie die ICP auf das Zeug anspricht. Muskelrelaxanzen waren auch immer ein Abenteuer.

Der Handschuhschenker, Verfechter von Baldrian, hatte dazu den passenden Kommentar: „Na, gute Nacht.“

Wo wir gerade bei Medikamenten sind: Hat irgendjemand von Ihnen Erfahrung mit Lasea-Kapseln?

Schwere Zeiten

Heute beginnt die Zeit, die für viele Angehörigen von suchtkranken Menschen besonders schwer sein kann. Im letzten Jahr erzählte ich Ihnen warum das bei manchen Kindern von Alkoholkranken so sein kann, und das gibt es hunderttausendfach bei jeder Suchtform, auch den nicht stofflichen.

Der Mit-Künstler hat jetzt schon Panik, nicht nur wegen der zusätzlichen Arbeitsmasse im Paketdienst. Einige von Ihnen erinnern sich, seine Mutter wohnt in derselben Straße wie er und weil es keinen bezahlbaren Wohnraum gibt kann keiner von beiden umziehen.

Ich werde nicht mit Mikesch feiern (Feuerwehrabruf habe ich im Notfall natürlich trotzdem, wie immer, es sei denn natürlich sie braucht diejenige Feuerwehr, die richtige und nicht metaphorische Feuer löscht, dann nicht), aber ich kann diese Panik verstehen. Früher hatte ich das auch. Und wie Weihnachten mit Mikesch ablaufen kann, erzählte ich auch schon.

Im Atelier hängen deshalb jetzt die sechzehn persönlichen Rechte aus dem Buch Familienkrankheit Alkoholismus von Ursula Lambrou (um 1990 erstmals erschienen) aus. Vielleicht helfen sie auch dem ein oder anderen Menschen hier.

 

1. Ich habe die Wahl glücklich oder unglücklich zu sein. Leben heißt mehr als überleben.

2. Ich habe das Recht zu allem nein zu sagen, wenn ich mich nicht zu einer Sache bereit fühle oder unsicher bin.

3. Mein Leben sollte nicht von Furcht bestimmt werden.

4. Ich darf alle meine Gefühle wahrnehmen.

5. Ich bin sehr wahrscheinlich nicht schuldig auch wenn ich mich so fühle.

6. Ich habe das Recht Fehler zu machen.

7. Ich brauche nicht zu lächeln, wenn ich eigentlich weine.

8. Ich darf ein Gespräch, eine Begegnung beenden, wenn Menschen mich klein machen und verletzen.

9. Ich darf gesünder sein als die Menschen in meiner Umgebung.

10. Es ist in Ordnung wenn ich entspannt und fröhlich bin und Freude habe.

11. Ich habe das Recht mich zu verändern und zu wachsen.

12. Es ist wichtig für mich meine Grenzlinien abzustecken und auf mich zu achten.

13. Ich darf auf jemanden ärgerlich sein, den ich liebe.

14. Ich muss auf mich achten und zwar unabhängig von den jeweiligen Umständen.

15. Ich brauche nicht perfekt zu sein um perfekt glücklich zu sein.

16. Ich brauche nicht perfekt zu sein. Punkt. Niemand sonst ist es.

 


Wenn Sie etwas Positives, wirklich schönes für diese Zeit möchten, schauen Sie mal bei Emil vorbei, der wie jedes Jahr Herzblut in einen Adventskalender investiert. 

Zwangspoolen

Hier in diesem Artikel auf kobinet sind einige Aspekt gut erklärt. Der Schulplatz für das Atelier-Kind fällt unter den Punkt mit der persönlichen Assistenz und könnte „weggepoolt“ werden.

Ein anderes Kind aus dem Umkreis der Atelier-Kind-Familie, schwerhörig, seit sieben Jahren inklusiv beschult, kommt in seiner Gesamtschulklasse mit und hat dort auch Freundschaften mit noch nicht betroffenen Kindern, hat letzte Woche den „Marschbefehl“ bekommen. Ab dem nächsten Halbjahr werden die Kosten für den Assistenten gestrichen. Entweder das Mädchen hält aus und nimmt in Kauf nichts mehr zu verstehen und von daher nicht mehr mitzukommen (und deshalb früher oder später „geschasst zu werden“ wie ihre Eltern das nennen) oder sie wechselt auf die die zuständigen Ämter günstiger kommende „Förderschule“. Die Eltern wollen klagen, aber ein Monat ist nicht viel Zeit.

Wenn Sie als Noch-Nicht-Betroffene sich möglicherweise fragen was das soll, eine Schule sei doch eine Schule, dann denken Sie mal kurz darüber nach welche Berufe ein (sinnes)behinderter Mensch in Deutschland lernen kann. Das Mädchen würde mehr verlieren als nur ihr Umfeld und ihre Routine.

Einen Kita-Platz für den Atelier-Kind-Bruder gibt es nicht. Da ist nur die „Wahl“ zwischen entweder gar nicht oder in den für gehörlose Kinder woanders. Jetzt überlegen Sie mal was wäre wenn die Atelier-Kind-Eltern niemanden hätten, der den Kleinen privat nimmt, das gilt auch für den Fall, dass das Atelier-Kind nicht ins Atelier könnte. Dann müsste logischerweise einer von beiden aufhören zu arbeiten und das können sie nicht, denn dann schnappt die Falle mit dem Jugendamt zu. Das kennen nicht wenige Eltern mit Handicap. Wie nach einem Kampagnen-Spruch des SVoD: Wir sind nicht behindert, wir werden behindert.